Made in…

Mad in

Liebe Konsumenten!
Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass viele Produkte eine Made enthalten?

Und dass dies sogar ein Qualitätsmerkmal sein kann – zum Beispiel bei dem Halbanglizismus „Made in Germany“ (richtig wäre: „Made in Deutschland“). Wir wollen uns daher etwas näher mit diesen possierlichen Tierchen beschäftigen, um zu verstehen, warum sie so eine wichtige Rolle in unserer Konsumgesellschaft spielen.

Morphosyntax — nur für Nerds...

Randnotiz zur Morphosyntax des „Made in“: Die Konstruktion Made in + Toponym ist ein bemerkenswertes Beispiel für die translinguale Stabilisierung einer Partizip-Präpositionalphrase im globalisierten Warenverkehr als „Country of origin label“.

Ursprünglich als britisch-imperiale Warnmarkierung konzipiert (vgl. „Made in Germany“, Merchandise Marks Act 1887), hat sich die Sequenz semantisch weitgehend entleert und fungiert heute primär als herkunftssemiotisches Signal.

Aus morphosyntaktischer Perspektive handelt es sich um ein analytisches Herkunftslabel, bei dem das nicht flektierte Partizip „Made“ als funktionsreduziertes Prädikat dient, während „in“ die semantische Rolle des Lokativs trägt. Das nachgestellte Toponym erfüllt – nomen est omen – die Rolle der deiktischen Referenz.

Pragmatisch lässt sich „Made in“ als Indexmarker beschreiben: Es indexiert sowohl einen geografischen Produktionsort als auch eine implizite Wertung (Qualität, Exotik, Skepsis – je nach kulturellem Frame).

Der Frame HIER ist allerdings einfach nur eine satirische Umkehrinterpretation (Intentional Fallacy*) bzw. Satiere i.s.v. MAD.
*Intentional Fellony kommt hier auch vor, aber in Form von Killerkarnickeln

Etymologie

Wer kennt nicht die Redewendung von der „Made im Speck“? Hier zeigen wir, wie sie dahin kam, denn bei uns geht es um die „Made in Speck“

Karikatur: Made im Speck. Eine Made auf dem Sprung in Speckwürfel

Made in Speck (Allativ: noch ist sie nicht drin).
Außer in der Gastronomie...

Genealogie

Als Made bezeichnet man umgangssprachlich eine Larve der Zweiflügler, vor allem die der Heuschreckenfliegen. Diese zeichnen sich gegenüber allen anderen Parasitenlarven durch das völlige Fehlen einer Kopfkapsel und echter Empathiefähigkeit aus. Madenartige, also rückgratlose Larven, kommen auch in vielen anderen Hohlometabola-Ordnungen vor, zum Beispiel in Wirtschaften, an der Börse oder unter Abgeordneten.

Als Anpassung an verschiedene ökologische Ansprüche variieren die weiteren Merkmale der Maden stark. So gibt es unter ihnen Exemplare, die auswandern, in Korruptionssümpfen oder in weißen Gebäuden leben und spezielle Faktenröhrchen ausgebildet haben.

Analogie

Maden als solche, besonders aber jene, die es zu etwas gebracht haben oder einfach nur oben sind (Top-Maden), erfreuen sich im Allgemeinen bei Angehörigen kultivierter Bevölkerungsschichten keiner großen Beliebtheit. Einerseits, weil ihr gesunder Appetit auf diese naiven Bildungsbürger abstoßend wirkt. Vor allem aber, weil Top-Maden besser aussehen als andere und überhaupt alles besser machen und können als andere und dabei auch großartiger sind, als alles vor ihnen und nach ihnen. Sie werden deshalb häufig von Neidern diskriminiert, abgewertet und nicht selten angegriffen und verfolgt. In einzelnen Fällen sehen sich Top-Maden sogar gezwungen, diesen vor Schaum wütenden intellektuellen Pöbel in die Schranken zu weisen und daran zu erinnern, dass Kritik an Maden wie Hexenjagd ist, nur schlimmer. Maden haben daher besonders ausgeprägte Fähigkeiten zur Unterdrückung von Scham und Moral entwickelt. Sehen wir uns ein paar Exemplare dieser mutigen Überlebenskünstler an.

Chronikologie

Karikatur: Made in USA. Eine Mähdorn-Made auf einem Einwandererboot in die USA, wo sie zur Madoff-Made mutiert

„Made in USA“ 1885: Hartmut-Bernie Mähdorn hat rübergemacht und wird „Ponzi-Bernie Madoff“.

Das „Made in USA“-Gütesiegel entstand, als nach zwölftägiger Seereise von Bremerhaven nach New York City an Bord der Eider, eines Schnelldampfers des Norddeutschen Lloyd, Hartmut-Bernie Mähdorn am 19. Oktober 1885 erstmals amerikanischen Boden betrat. Bei der Einwanderungsbehörde Castle Garden wurde er unter dem Namen „Ponzi-Bernie Madoff“ registriert.
   Direkt nach ihm kam ein angehender Zeitungsschreiber namens Helmut Markwortz, der während der Überfahrt ständig mit „Fakten, Fakten, Fakten – und immer an den Kaiser denken!“ genervt hatte. Dessen Kojennachbar war Fritz Trampel, der schon etwas Englisch konnte und Markworts Spruch für sich adaptierte: „Fuck, Fuck, Fuck – und nie mehr an den Wehrdienst denken!“ – ein Motto, das zur Familientradition werden sollte. Er ließ sich als Frederick Tramp registrieren.
   Als das Trio später zechprellend durch die Kneipen Queens zog, brüllten sie im Chor: ‚Maga, Maga, Maga! Made Amerika grapscht alles!‘ — eine Parole, die in Queens noch heute in abgewandelter Form gelegentlich zu hören ist, wenn jemand erfolgreich prellt. Markwortz (inzwischen Mark Mywords) wollte über diese Ereignisse eine Reportage zu Ehren Wilhelm I. schreiben, verlor die beiden anderen jedoch aus dem Focus und erinnerte sich nicht mehr genau an den Wortlaut. Also betitelte er sein Manuskript faktengerecht mit „Maga für den Kaiser! Maden in Amerika!“ Die New Yorker Staats-Zeitung verkürzte das schließlich zu „Made in USA“.

Sinologie

Das Markenzeichen „Made in China“ hat seinen Ursprung in der Kulturrevolution. Bei den Errungenschaften dieses überaus vorbildlichen gesellschaftlichen Wandels spielten Maden eine bedeutende Rolle bei der Ernährung. So konnten sie zum Beispiel in den Zeiten des „Großen Sprungs nach vorn“ Millionen von Hungertoten beseitigen, die sonst völlig nutzlos herumgelegen hätten.

Auch als liebevolle und kluge Vorarbeiterin konnte die chinesische Revolutionsmade der postrevolutionären Industrialisierung lenkend und inspirierend Nachschub leisten.

Karikatur: Made in China. Eine Vorarbeitermade beaufsichtigt Industriearbeitende

„Made in China“: Vorbild, Vorarbeiter, Vorsitzender

Es ist den vielen selbstlos wirkenden Revolutionsmaden zuzuschreiben, dass der Begriff „Made in China“ allgemein für Qualität, Nachhaltigkeit und Langlebigkeit steht.