Caerbannogs Metamorphosen

Rabbit of Caerbannog mit Alter Egos

Achtung: Diese Satire geht unter die Gürtellinie!

Dieser Text enthält derbe Witze, bissige Anspielungen und verbale sowie politische Absurditäten — auf den Spuren von Monty Python und Titanic.
Garantie: Wer mit diesen Werken gar nicht vertraut ist oder gar sie gar nicht mag, wird sich hier auch gar nicht amüsieren.
Wenn das gar nicht dein Ding ist, wird empfohlen, dies alles ganz und gar zu ignorieren.

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Theaterzettel

Bitte lesen!

Dies ist ein technisches Labyrinth. Und ein textlicher „Irrgarten“ mit Abgründen. Du kannst dir in diesem Irrgarten die 🔑 Entschlüsselungs-Links anzeigen lassen. Dort findest du Hinweise und Quellen zu Assoziationen, Anspielungen und kulturellen Bezügen — direkt beim jeweiligen Textabschnitt eingeblendet.

🔑 Entschlüsselungen einblenden

Zu diesem „Drama“

Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich die grobe Sprache einiger Inspirationsquellen für diesen Text so übernehmen und sogar noch weiterführen soll. Letztlich erschien es mir notwendig, um den satirischen Stil und die Intention, den Betrachter zum Nachdenken, Schmunzeln oder Kopfschütteln zu bringen, nicht zu verwässern.

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich durch diesen Hinweis die Verantwortung für eventuelle Irritationen oder Gefühle der Verunglimpfung nicht auf andere abwälzen will und kann. Sollte sich jemand durch den Text angegriffen oder irritiert fühlen, ist das schade — im Einzelfall auch schwierig vermeidbar — aber auf keinen Fall beabsichtigt.

Vielmehr ist dieser Beitrag das Experiment eines absurd-satirischen Irrgartens:

  • Der Text ist eine stille Verneigung vor Éléonoradus.
    Der Theaterregisseur aus „Asterix und der Kupferkessel“ (1972). Der durch eine onomastische Travestie gebildete Name „Eleonardus“ ist eine Hommage an die große Eleonora Duse und zugleich Satire auf (selbstverliebte) Künstlerfiguren (in der englischen Übersetzung wurde aus ihm ‚Laurensolivius‘ — Laurence Olivier). Seine Physiognomie im Asterix-Cartoon karikiert den französischen Avantgarde-Schauspieler und Regisseur Laurent Terzieff.
    Diese Feinheiten kulturhistorischer Tiefe und komischer Brechung sind ein Markenzeichen der Asterix-Reihe. Im „Kupferkessel“ will Eleonardus mit Asterix und Obelix als „Entdeckung“ das „neue Theater“ („das etwas aussagt“) zelebrieren. In diesem Improtheater soll Obelix bei seinem Auftritt einfach nur sagen, was ihm gerade durch den Kopf geht. Das überfordert ihn („es kommt aber vor, dass da gar nichts durchgeht...“) und so kommt es, wie es kommen muss: Vor dem römisch-dekadenten Publikum geraten die sorgfältig arrangierten Publikumsbeschimpfungen mitsamt einem Hisser, der gezielte Proteste und Buhrufe lanciert, aus dem Ruder. Als Obelix dran ist, fällt ihm nur ein: „Die spinnen, die Römer“. Der Eklat bringt den Regisseur ins Gefängnis – mit Aussicht darauf, in Rom den Löwen zum Fraß vorgeworfen zu werden. Eine Befreiung lehnt er ab. Sein Drang nach der „großen Bühne“ obsiegt, denn dies sei zwar „nur ein“ Auftritt, „aber was für einer“!
    Das Konzept verfolgt nicht eine Idee, die dramaturgisch entwickelt wird, sondern ist genau das Gegenteil: eine surreale Verkettung von spontanen Wortspielen, die von einer Pseudo-Dramaturgie umwickelt werden
  • Er verlangt eine beträchtliche intellektuelle Konzentration und ist bewusst mit versteckten „Entschlüsselungen“ gespickt, die erst gefunden, angeklickt und aufgeklappt werden müssen, um alle Details, Quellen und Anspielungen erfassen zu können
  • Zum Konzept gehörte für mich auch, zu meiner genetischen Veranlagung zu stehen, und intuitiv jeder spontanen Assoziation zu folgen, die mir beim Schreiben einzelner Worte durch den Kopf schoss — also gemäß Regieanweisung Eleonoradus’ „irgendetwas, egal was“, zu sagen — in memoriam eines zerstreuten Großvaters, der vom Hundertsten ins Tausendste geriet und zuletzt selbst nicht mehr wusste: „Wo war ich?“
  • Die subversive Grundhaltung ist Teil des Konzepts, nicht politische Agitation — und die Herausschälung von Absurditäten erfolgt ohne Anspruch auf politische oder faktische Relevanz, Logik, Sinn oder Würde. Und wenn damit etwas wirklich gewürdigt werden soll, dann der Surrealismus als Form der Gedankenfreiheit

Für den Großteil der Leserschaft ist das hier zu hochgesteckt, zu chaotisch, zu derb und zu selbstverliebt in seine Abschweifungen. Aber der Handvoll intellektueller Abenteurer, die sich damit auseinandersetzen wollen (gewiss, eine sehr kleine Minorität — aber im Sinne der Inklusion gerade deswegen zu respektieren), gönne ich diese kleine Freude von Herzen.

— Mikesch

Unter alten weißen Männern

»Caerbannogs Metamorphosen«

Ein Dokumentdrama für die Bühne1 von Radkon Jauku2, Șilda3
Originaltitel „Bătrânii Albi i-au pavat drumul“4
Aus dem Rumänischen von Gerda Heidefrau-Răzbunătoare-Pășunescu5

🔑 Entschlüsselung ⇅
  1. Dokumentdrama Verballhornumg von „Dokumentardrama“ und generell der Dramaturgie: 5-Aktstruktur hat 6 Akte, Phasenbezeichnung verfälscht (Prothase statt Protase) oder frei erfunden (Exklamation/Exthase)
    „für die Bühne“ deutet schon den Drift ins Schmierentheater an, was auch in der Illustration des recht billig gemachten Theaterzettels signalisiert werden soll. Theaterzettel: Caerbannogs Metamorphosen Eingedeutschter Text des Theaterzettels:
    Dorftheater Schilda
    Kleintierbühne 
    Heute, Freitag, 4. Juli
    Einmalige und unwiederholbare Premiere
    Caerbannogs Metamorphosen
    oder
    Alte weiße Männer pflasterten seinen Weg
    Ein Dokumentdrama in Sex-Akten
    von Radkon Jauku
    Mit Musik von W. A. Mbros***
    Personen:
    Rabbit of Caerbannog…………………………………er selbst
    Hilbring, ein Maler …………………………………Kann sein Handwerk
    Sonneborn, ein Politiker………………………G. O. Ettinger
    Merz, ein Politiker……………………………………M. Sonneborn
    SEK………………………………………………………………………………Monty Python
    Stewie Bannog……………………………………………………Adolphe Souffleur
    Bert Caughanaugh……………………………………………Pinocchiu Psittacinu
    Volk. Wähler. Trottel. Disneyfiguren.
    
    Beginn: Fünf vor Zwölf
    Eintritt: frei, aber unwiderruflich
    
    Wir danken der Statistengruppe des 
    Laienschauspielkurses der Volkshochschule Schilda
    
    *** statt W. A. Mozart: Wolfgang Ambros, dessen Song Zwickt's mi im Verlauf der Faktenrecherche zu einem tröstlichen Begleiter wurde.
  2. Radkon Jauku: Anagrammatisch gedrehter Name von „Konrad Kujau“, dem Fälscher der Hitler-Tagebücher. Klingt zufällig rumänisch.
  3. Șilda: Rumänisierte Schreibweise von „Schilda“, der Stadt der Schildbürger.
  4. Originaltitel „Bătrânii Albi i-au pavat drumul“ heißt sinngemäß „Alte weiße Männer pflasterten seinen/ihm den Weg“. Alte weiße Männer auch in der Illustration: Bei genauem Hinschauen und zeitgeschichtlich fotografischem Gedächtnis kann eine Ähnlichkeit mit Vorbildern alter weißer Männer entdeckt werden, die hier noch eine Rolle spielen werden — „Stewie Bannog“ und „Bert Caughanaugh“
  5. Gerda Heidefrau-Răzbunătoare-Pășunescu: Verballhornung von Gerd Heidemann, „Stern“-Reporter, der Kujaus Fälschungen aufsaß. „Răzbunătoare“ = „Rächerin“, „Pășunescu“ als rumänisch klingendes Fantasiewort. Alle rumänischen Elemente wurden einzig und allein aus assoziativer Klangverwandtschaft zu „Jauku“ hinzuerfunden. Die Assoziationskette in Richtung Dracula wurde zwar in Betracht gezogen, aber gleich wieder verworfen

Karriere eines Killerkarnickels


Exposition (Prothase)

Rabbit of Caerbannog bei Burg Wildenberg Rabbit of Caerbannog bei Burg Wildenberg

Ende der 1970er Jahre flüchtet der arbeitslose und wegen Tötungsdelikten gesuchte Misogynist und Filmstatist Rabbit of Caerbannog alias The Killer Bunny, alias Foul-tempered Rodent u.a.; Steckbriefe: Fandom und Wikipedia1 aus Wales nach Deutschland und gründet unter2 Burg Wildenberg - eine Gralsburg - 3 im Odenwald eine schnell wachsende Kaninchenzucht. Er gibt sich als Freiherr von Märzhase4 aus schlägt sich außer mit Karnickeln mit Verfassen von Kaninchenwitzen wie zum Beispiel: „Kleines weißes Häschen sitzt im Wald und onaniert frenetisch. Kommt Hirsch und fragt indigniert: Findest du das nicht etwas obszön? Kaninchen (lispelt eifrig): Und ob's zön ist, und ob's zön ist!“ durch. Seine Misogynäkologie-Werkstatt wird vom Arbeitsamt (heute Jobcenter) nur kurzzeitig gefördert, und um sein Einkommen aufzubessern, übernimmt er schließlich Hit-Jobs als Gutachter für die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (heute BPjM)5, Con-Jobs für Satiereorganisationen Satire für Tiere ist Satiere, siehe Satiere (MAD)6 und später auch Blow-Jobs für die der Union nahestehenden Lobbygruppe „Reiche-Bürger“7 (heute BMWE Bundesministerium für Wirtschaft und Energie )7.

🔑 Entschlüsselung ⇅
  1. Rabbit of Caerbannog: Hauptcharakter der „Geschichte“: Das Killerkaninchen aus Monty Python and the Holy Grail (satirische Komödie von 1975, dt. Titel: Die Ritter der Kokosnuß). Tritt im Laufe unserer „Geschichte“ immer wieder unter neuen Pseudonymen auf, die einer onomastischen Metamorphose folgen: Rabbit of Caerbannog → Freiherr von Märzhase → Märzhasser → Merzhasser → Rabiat Stewie Bannog → Bert Caughanaugh. Die sukzessive Namensveränderung dient der satirischen Neucodierung politischer und kultureller Zielscheiben.
  2. Die Formulierung „unter Burg Wildenberg“ folgt dem natürlichen Bauverhalten von Kaninchen.
  3. Burg Wildenberg: Da bei Monty Python and the Holy Grail der „heilige Gral“ eine gewisse Rolle spielt, wurde diese Burgruine im Odenwald als logisches Fluchtdomizil gewählt. Dort soll Wolfram von Eschenbach Teile des Parzival verfasst haben. Von Heinrich Himmlers esoterischem Forschungsapparat (u. a. mit dem Ariosophen Otto Wilhelm Rahn) als möglicher Ort der Gralsburg „Munsalvaesche“ in Betracht gezogen. Letztere wurde als „Heilsberg“ oder „Montsauvage“ (Wilder Berg) gedeutet – ein Symbolort für NS-Mythosbildung.
  4. Freiherr von Märzhase: Märzhasen als besonders exaltierte Kaninchen (der März als Zeit der Raserei bei Hasen), aber auch Anspielung auf „March Hare“ aus Alice im Wunderland. Insgesamt eine Anspielung auf Raserei und Wahnsinn. Der Adelstitel („of“ Caerbannog → „Freiherr von“) wird aus Eitelkeit zunächst beibehalten. Das Wortspiel mit „Karnickeln“ ist doppeldeutig: Der Protagonist verkauft gewerbsmäßig Kaninchen – und „karnickelt“ (vermehrt) sich zugleich. Symbolisch sogar auch – durch Identitätswechsel.
  5. BPjM: Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, satirisch als Arbeitgeber für „Hit-Jobs“ (Auftragsmorde), was dann bedeuten kann, „unanständige“ Schriften zu killen.
  6. Satiereorganisationen (MAD): Satiere = Satire für Tiere, hierüber gibt es einen eigenen Beitrag. Verballhornung von MAD (Verwechslung von US-Satirezeitschrift und Militärischem Abschirmdienst). „Con-Jobs“ ist Slang für gezielte Täuschungsmanöver.
  7. Reiche-Bürger und BMWE: Anspielung auf Reichsbürger aber auch auf das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unter der neuen Ministerin Katarina Reiche. Die „Blow-Jobs“ bilden die letzte der Triplikationsreihe mit „Jobs“ und stehen für die Insinuierung, dass sich Lobbyisten nicht zu schade seien (sie prostituieren sich), um – egal, wie – Druck auszuüben. Oder abzulassen. Ja! So isses halt. „Honi soit qui mal y pense“ – passé. Heute heißt’s: Grab 'em by the narrative.

2. Komplikation (Epithase)

Der Cartoonist Oli Hilbring veröffentlicht irgendwann eine Karikatur, die unmittelbar viral geht. Diese Zeichnung gehört zu den denen, die bis heute unausgesetzt für Heiterkeit sorgen.

Das Original

Originalkarikatur von Oli Hilbring („Was haben Sie denn bitte für eine Behinderung?“)

Die geniale und virale Originalkarikatur von Oli Hilbring © 2010

Doch auf Caerbannog aka von Märzhase ist die Wirkung verheerend. Als er das Bild1 entdeckt, begreift er plötzlich die Wert- und Zwecklosigkeit seines eigenen satierischen Schaffens, er zweifelt an seinem Genius, hat selbstkritische Gedanken und verfällt in eine Sinnkrise. Er lässt sich in der nahegelegenen Odenwaldschule2 psychopathisch coachen. Entmutigt von moralischen Anflügen und Selbstkritik sucht Caerbannog Heilung, um wieder „er selbst“ zu werden. Als Mentor steht ihm Gerold Ummo Becker zur Seite. Von ihm lernt er unter anderem die Kunst des Grapschens (im Becker-Workshop „Annäherungsversuche“). In transdisziplinären P-Seminaren (Pädagogik+Psychopathik+Pädophilie) wird ihm das reformpädagogische und psychopathische Muster zum pädophilen Gebrauch nähergebracht, in „einer Intensität, wie ich sie vermutlich nirgendwo anders hätte erleben können“. Das sagt er später bei einer vielbeachteten Rede an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Auch Pervorhetorik lässt sich Caerbannog von Becker zeigen, also wie man unangenehme Fragen wirksam kontert: Einfach ‚Traust du mir das zu?‘ sagen, und schon schämt sich der Fragende selbst. Nach der Überwindung seiner Redlichkeitsanfälle (er wurde wieder, wer er war) tritt er ins Lehrerkollegium ein, wo er als tiergestütztes Interventionskarnickel und später als Vertrauenslehrer für die jüngeren Schüler wertvolle Impulse für die Zukunft der Gesamtschule setzt. Doch diese hochanständige Tätigkeit befriedigt ihn nicht völlig. Die wahre, verbrecherische Seite von Märzhasens (sic) Ja, gut so: Wer hier klickt, hat Bildung oder will sie: Die Formulierung „von Märzhasens“ ist grammatikalisch korrekt und basiert auf der Kombination von Präpositionalattribut („von“) mit einem artikellosen Eigennamen im Genitiv. Die Konstruktion entspricht der Struktur eines präpositionalen Genitivattributs, bei dem das Genitiv-s am Eigennamen erhalten bleibt. Wird der Titel „Freiherr von Märzhase“ nominal als Subjekt oder Objekt verwendet und soll ein Genitiv angezeigt werden, folgt das Genitiv-s regulär auf das letzte Segment, also „von Märzhases dunkle Seite“. Steht die Präposition „von“ hingegen als Teil eines präpositionalen Attributs (wie hier: „die dunkle Seite von...“), bleibt das Genitiv-s ebenfalls erhalten: „von Märzhasens dunkle Seite“. Die Erscheinung lässt sich mit dem präpositionales Genitivattribut mit artikellosem Eigennamen klassifizieren. Vgl. hierzu Duden Grammatik, § 1283ff., sowie IDS-Grammatik (Zif. 2.3.3.3: Genitivattribute mit Eigennamen nach „von“).3 bricht immer wieder durch, und er beschäftigt sich heimlich mit Plagiaten und Fälschungen.

🔑 Entschlüsselung ⇅
  1. Originalcartoon von Oli Hilbring: Deutscher Cartoonist, bekannt für schwarzen Humor. Urheber der Zeichnung „Neulich am Behindertenparkplatz“ (2010), siehe https://www.oli-hilbring.de/blog/2010/08/18/neulich-am-behindertenparkplatz/ Diese Zeichnung hat auf Caerbannog „verheerende“ Wirkung: Die depressive Verstimmung, ausgelöst durch den direkten Vergleich mit einer überlegenen Intelligenz oder Begabung, der die eigenen Mängel brutal offenlegt. Das „Tal der Verzweiflung“ repräsentiert die Phase der bewussten Inkompetenz im „Dunning-Kruger-Zyklus“, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Dunning-Kruger-Effekt.
  2. Odenwaldschule: Ursprünglich ein „Vorzeigeinternat der Reformpädagogik“, Leitsatz (des griechischen Dichters Pindar): „Werde, der du bist“ (Γένοιο οἷος ἔσσι). 1999 wurde jahrzehntelanger systematischer sexueller Missbrauch von den 1960er- bis in die 1990er-Jahre durch verschiedene Lehrkräfte und den ehemaligen Schulleiter Gerold Becker an Schülern bekannt. Der Schulbetrieb ging bis 2015 weiter. Währenddessen wurden weder Becker noch die anderen Haupttäter angeklagt und verurteilt (aufgrund Verjährung oder des Ablebens mutmaßlicher Täter); es erfolgten lediglich Ansätze von „Aufarbeitung“, zumeist dann, wenn Berichte über weitere Fälle erschienen. Noch während dieser Aufarbeitungen kam ein Lehrer ins Kollegium hinzu, der Kinderpornos gesammte hatte.
    Soweit die Fakten, siehe Wikipedia: Odenwaldschule.
    Die Fiktion in „Caerbannogs Metamorphosen“ berücksichtigt keinerlei chronologische Tatsachen. Sie assoziiert lediglich die Logik, dass ein solcher Charakter in Pädokriminellen Seelenverwandte findet, die ihm dabei helfen, Moralgefühle zu unterdrücken und wieder der Unhold zu werden, „der er ist“. Diese „Heilung“ gelingt, und Caerbannog steigt „als Vertrauenslehrer“ in die Pädokriminalität ein, zynisch als „wertvolle Impulse für die jüngeren Schüler“ bezeichnet. Leider ist diese Fiktion so absurd nicht, wenn man bedenkt, dass die Schulleitung noch 2011 einen Lehrer eingestellt hatte, dessen Kinderpornos 2014 von der Polizei entdeckt wurden und der dafür 2016 verurteilt wurde.
    Fiktiv, aber im Wortlaut korrekt wiedergegeben ist das Becker-Zitat von ‚Intensität‘: Der Odenwaldschule verdanke ich in diesen sechzehn Jahren pädagogische Erfahrungen von einer Intensität, wie ich sie vermutlich nirgendwo anders hätte erleben können. Ich habe in der Odenwaldschule – als Pädagoge, aber einfach auch nur als Mensch – so herausgefordert und gleichzeitig so beglückt gelebt wie vorher nur selten und auch seitdem immer wieder nur stunden- oder tageweise. An der Odenwaldschule war diese pädagogische Intensität (fast) ein Dauerzustand. Wikipedia/Quelle: Die Quadratur des Kreises? Oder: Zur „Professionalität“ des Lehrers heute. In: Helmut Arndt / Henner Müller-Holtz (Hrsg.): Schulerfahrungen – Lebenserfahrungen. Anspruch und Wirklichkeit von Bildung und Erziehung heute. Reformpädagogik auf dem Prüfstand. Peter Lang, Frankfurt 1995. 2. unveränderte Auflage 1996, S. 41.
    Fiktiv, aber aus einem Artikel wiedergegeben ist das Becker-Zitat ‚Traust du mir das zu?‘. Der Journalist und Erziehungswissenschaftler Reinhard Kahl schrieb im Artikel Hartmut von Hentig muss reden über Becker: Nichts von Selbstreflexion. Auf die Vorwürfe, die bereits 1998 erhoben wurden, war er zuvor nicht eingegangen, und die Fragen seiner Freunde und Bekannten hatte er mit der Gegenfrage pariert: ‚Traust du mir das zu?‘ Quelle: DIE ZEIT, 22.04.2010 Nr. 17
  3. Die wahre, verbrecherische Seite von Märzhasens (sic): Durch Anklicken von (sic) landet man in einer der Sackgassen des surreal-satirischen Irrgartens: Es erscheint eine fachlich versierte, völlig korrekte und fast professoral getönte grammatikalische Erläuterung der Formulierung „von Märzhasens“ ... Die Konstruktion entspricht der Struktur eines präpositionalen Genitivattributs, bei dem das Genitiv-s am Eigennamen erhalten bleibt... ohne jeden Anflug von Satire oder Humor, was sich in diesem Zusammenhang unpassend und geradezu grotesk ausmacht und den Erzählfluss bricht. Genau darin liegt das Komische – jedenfalls für den Verfasser – oder zumindest das Surreale.

3. Peripetie (Klimax)

Aus Märzhase wird Merzhasser

Gefälschte Version der Karikatur von Oli Hilbring mit der Signatur „Merzhase“

Die Fälschung von Caerbannog aka Merzhase

Rabbit of Caerbannog (alias Freiherr von Märzhase) ersinnt einen perfiden Plan, um sich an der Menschheit zu rächen. Er will Streit säen und Zerwürfnis ernten. Eine Reihe von Satiereanschlägen unter dem Pseudonym Tullius1 von Märzhase misslingen, bis er sich als Märzhasser ausgibt, wo ihm erste Disruptionen im Vorstand des DBV Deutscher Bauernverband 2 gelingen (der Bauernregeldisput) Als Märzhasser konnte Caerbannog einen Teil des Präsidiums überzeugen, alle Bauernregeln abzuschaffen, die den Monat März betreffen, um Verwechslungen mit gleichlautenden Politikern zu vermeiden und gleichzeitig Politikerinnen gleichberechtigt in das Regelwerk aufzunehmen. So sollte zum Beispiel „Ein fauler, feuchter März ist jedes Bauern Schmerz“ umgewandelt werden in „Eine faule, feuchte Merkel bringt keinem Bauern Ferkel“. Erst über Kampfabstimmungen in der Mitgliederversammlung konnte diesen Disprutionen ein Ende gesetzt werden: Die Landwirt:innen bestimmten mit großer Mehrheit eine Ablehnung der Märzregelumstellung und bestimmten die neue Generalbauernregel: „Ein Bauer zieht ein Feld vorwärts, außer beim ersten Zug, wo er ein oder zwei Felder ziehen kann. Bauern schlagen diagonal ein Feld vorwärts und können auch 'en passant' schlagen. Erreicht ein Bauer die gegnerische Grundlinie, wird er in eine Dame, einen Turm, einen Läufer oder einen Springer umgewandelt.“ Damit waren die Märzhasser-Anträge vom Tisch. 3. Schließlich ändert Caerbannog sein Pseudonym in Merzhase Merzhasser4 und entwickelt eine Schmähkampagne gegen den Politiker gleichen Namens. Da er sich geschworen hat, nie wieder eigene Witze zu machen, fabriziert er eine Merzhasenverfälschung der Hilbring-Karikatur5. Um sie zu verbreiten, bietet er sie den Satiremagazinen BILD und Titanic an. BILD lehnt ab - wegen ethischer Bedenken („keine Witze mehr über behinderte Politessen“). Titanic Chefredakteur – Martin Sonneborn6 – prüft das Bild persönlich, erkennt jedoch sofort die Fälschung und schickt es anonym dem Stern, wo es versehentlich im Fritze-Hitler-Tagebuch — berühmtes autobiografisches Werk von Fritz Hitler, irrtümlich Adolf Hitler zugeschrieben. Hier die entscheidende Szene dieses Irrtums, dokumentiert in der vielbeachteten Reality-Serie„Dog Bachelorette, Episode „Führers Hund“. -Kabinett7 verschwindet.

Damit ist die Fälschung zunächst ad acta. Bis Sonneborn eines Tages nach einer zündenden Überschrift für einen Artikel über F. Merz grübelt. Schreibblockade. An der Stelle „Sie nannten ihn...“ kommt er einfach nicht weiter. Da erinnert er sich an die gefälschte Karikatur und textet daraufhin seine zündende Überschrift.Titanic Doppelseite Printausgabe 4/2000 Danach vergisst er alles wieder8 und geht in die Politik. Da es schon eine Sati(e)re-Partei gibt (AfD), will Sonneborn dort nicht stören und besinnt sich auf historisch bewährte Wähler und Mitgliedsmuster. Um inauf sie eintreten zu können, gründet er erneut Die Partei. Er kümmert sich damit um die Belange der vielen Bürger, die etwas wollen, was sie nicht offen auszusprechen wagen: „Die endgültige Heilung Deutschlands“

🔑 Entschlüsselung ⇅
  1. TulliusTullius Destructivus, Figur aus Streit um Asterix, die Zwietracht sät. Hat im Comic Ähnlichkeit mit dem kontroversen kommunistischen Politiker Georges Marchais. Genau in diesem Sinne verhält sich der misogyne und rachsüchtige Caerbannog: Streit säen und Zerwürfnis ernten – Anspielung auf „Wind säen und Sturm ernten“. Auch hier nur eine Kurzassoziation, die nicht weiterverfolgt wird, so wie die genannte Comicfigur ja letztendlich auch erfolglos blieb.
  2. DBV (Deutscher Bauernverband): Zufälliges satirisches Ziel, einziger Anknüpfungspunkt ist die Pseudonym-Metamorphose von Märzhase zu Märzhasser in Vorbereitung auf Merzhase und Merzhasser. Assoziation des „Märzhassens“: Verdrängung des Monats März aus den Bauernregeln. Entsprechend eine plumpe, frauenfeindliche Modifikation einer März-Bauernregel, in der März zu Merkel umgeschrieben wird. Dann fiktive Darstellung einer intriganten Vorgehensweise und des Abwehrkampfes der sich (noch) in der Majorität befindenen Vernünftigen, unterstützt durch formelle demokratische Regularien, mit typisch bürokratischer Nomenklatur.
  3. Bauernregeldisput: Bürokratisch anmutende Kompositaparodie, zusammen mit nomenklaturartiger „Märzregelumstellung“ und „Generalbauernregel“; Diese führt dann wieder in eine surreale Irrgartensackgasse, wenn klar wird, dass kein Reim kommt, dass es gar nicht um Bauernregeln der Landwirtschaft geht, sondern um Schach.
  4. Merzhase Merzhasser: Nächste Stufe der Namensmetamorphose. Ziel ist die Lancierung der Cartoonfälschung, um Unfrieden zu stiften. Verballhornung der BILD-Zeitung als selbstverständlicher Adressat von Satire und Oberverballhornung durch den Ablehungsgrund. Einführung von Titanic und Martin Sonneborn als Durchlauferhitzer für Satire, wobei die Weiterreichung einer Fälschung an den Stern als geeigneteren Empfänger sogar Sonneborns tatsächlicher Raison entsprechen könnte.
  5. Fälschung der Hilbring-Karikatur: Die Oli Hilbring-Karikatur mit Manipulationen: Signatur „Merzhase“, Verkehrszeichen „Kanzeramt“, Gesicht ähnelt Friedrich Merz, Namensschild „Angela“. Damit wird eine Pseudoerklärung aufgebaut, um die später zitierte Satireschmähung „Sie nannten ihn F****-Fritz“ plausibel als Inspiration darzustellen. Hätte es ein solches Ereignis je gegeben, wäre der unflätige Spitzname nicht nur logisch sondern geradezu zwingend.
  6. Martin Sonneborn: Satiriker mit Fälschungserfahrung — für seine Magisterarbeit über Titanic und „die absolute Wirkungslosigkeit moderner Satire“ hatte er nach eigener Aussage Interviews „gefälscht“.
    Fiktion: Hier wird ihm nun der fiktive Hergang der Schlagzeilenfindung „Sie nannten ihn F****-Fritz“ untergeschoben, dabei erhält die Fälschung einen gewissen Sinn.
  7. Fritze-Hitler-Tagebuch-Kabinett: Fiktives Stern-Archiv, aufbauend auf dem Zitat aus dem Film Schtonk! über die Hitler-Tagebuch-Affäre. Und „Kabinett“ im Sinne eines Kuriositätenkabinetts.
    Fakten-Hintergrund: Die Chefredaktion des Stern erörterte bei der Inaugenscheinnahme der angekauften Hitler-Tagebücher tatsächlich die Frage, warum auf den Kladden die Fraktur-Initialen „FH“ standen, statt — wie zu erwarten gewesen wäre — „AH“. Der Ausruf „Fritze Hitler hieß er ja wohl nicht!“ von Redakteur Willié im Film Schtonk! mag wie eine groteske Überzeichnung wirken, doch laut Zeitzeugen und Dokumentationen zur Stern-Affäre um die gefälschten Hitler-Tagebücher hat Regisseur Helmut Dietl die berüchtigte Redaktionssitzung mit voller Absicht auffallend wirklichkeitsnah inszeniert. In einer ARD-Doku (2022) wurde festgehalten: „Das Redaktionstreffen verlief tatsächlich ähnlich chaotisch und unkritisch wie im Film.“
  8. „Danach vergisst [Sonneborn] alles wieder und geht in die Politik“: Anspielung auf die bei Politikern gelegentlich zu beobachtende Eigenschaft, sich an bestimmte Ereignisse nicht mehr erinnern zu können. Vorwegname des FMS (False Memory Syndroms).
    Politik: Beim Anklicken auf „Politik“ erscheint eine Anspielung auf die AfD als Satire/Satierepartei. Ein Klick auf „AfD“ öffnet die Webseite, die das Akronym AfD sinnvoll erklärt: „Alles für den Dackel, alles für den Club“ (die mobilisierten Dackelbesitzer gründeten später dann basierend auf dem gleichen Claim den ADAC. Bitte schreiben Sie mir, wenn Sie Einzelheiten dazu wissen wollen!).
    Die Partei die von Sonneborn und anderen tatsächlich gegründete Partei satirisch anzugreifen wäre ein wunderbar surreales Vorhaben, für das in diesem Experiment leider keine zündende Idee aufkam. Stattdessen der Versuch, wenigstens das Eintreten (in die Partei/auf Wähler) doppelsinnig zu deuten, z. B. bei „Wähler-“ den Bindestrich wegzulassen, damit das „auf“ sie eintreten wenigstens grammatikalisch authentisch rüberkommt. Schließlich platte Verballhornung des Narrativs, die AfD kümmere sich um die Belange derer, die insgeheim ein radikales Vorgehen billigen, es „aber nicht offen auszusprechen wagen“ — was natürlich Blödsinn ist. Also das Insgeheime. Das war mal. Na gut, ich schweife ab.
    Also weiter: Kleiner Text nach „nicht offen auszusprechen wagen“: Man muss draufklicken, um ihn lesbar zu machen. Der Inhalt zitiert den „Partei“-Claim „Die endgültige Teilung Deutschlands — das ist unser Auftrag“ von Chlodwig Poth. Wird anstandshalber nicht verballhornt.

4. Exklamation (Exthase)

Caerbannogs Aufstieg

Merz wird Bundeskanzler, jetzt droht Satireumtrieben („Sagen, was ist“)1 Ungemach. Sie werden der Wahrsagerei2 verdächtigt (Simpson-Syndrom)3. In der Reality-Serie „Die Simpsons“ (das US-Format von „Die Reimanns“) wurde Lisa Simpson als zukünftige US-Präsidentin dargestellt. Diese düstere Voraussage, dass bei einer US-Präsidentenwahl eine Frau mehr Stimmen erhalten könnte als ihr Kontrahent, bewahrheitete sich dann 16 Jahre später, als Hillary Clinton fast drei Millionen mehr Wählerstimmen abgrapschte als der großartigste Grapscher, der in der Geschichte der Vereinigten Staaten — ach was: der Welt! — jemals auserkoren wurde. Seitdem herrscht im Weißen Haus ein Klima der Angst und des geistigen Verfalls.
Lisa Simpson
Unter dem Druck der Öffentlichkeit gesteht Sonneborn, wie er den Titel damals selbst erfunden haben will. Dass er durch eine plumpe Fälschung inspiriert wurde, ist ihm entfallen - wahrscheinlich unter der Einwirkung des unter Politikern weit verbreiteten False-Memory-Syndroms4. Sonneborn wurde so selbst zum Opfer einer Fälschungsverfälschung.

Es ist einem mutigen Whistleblower5 des Fritze-Hitler-Tagebuch-Kabinetts zu verdanken, dass die Fälschung wieder an die Öffentlichkeit geraten konnte, um den ehemaligen Titanic-Chefredakteur des Gedächtnisschwunds zu überführen. „Das bin ich dem Gerd6 und dem Deutschen Volke schuldig“, versicherte er bei der Materialübergabe sichtlich bewegt. „Es wächst auseinander, was nicht zusammengehört!“7

🔑 Entschlüsselung ⇅
  1. Merz als Bundeskanzler/„Sagen, was ist“: Anspielung auf den Ausspruch „Sagen, was ist“ von Ferdinand Lassalle (1862), wurde 1906 von Rosa Luxemburg paraphrasiert und 1961 von Rudolf Augstein in einem SPIEGEL-Editorial als zentrale Aufgabe des Journalismus definiert: …eine Wahrheit unangreifbar zu fassen … – das ist die einzige Möglichkeit für den Journalisten, die Wirklichkeit zu verändern: Er kann sagen, was ist. Seither als Leitprinzip des SPIEGEL verankert (eingraviert im Verlagsgebäude). (Quelle: Wikipedia)
  2. Wahrsagerei in Doppelbedeutung (Sagen, was wahr ist / Hellsehen).
  3. Simpson-Syndrom:
    • Im Grunde Anspielung auf das fiktive Phänomen einer Satire-Prophetie, die sich bewahrheitet (was z. B. bei Friedrich Merz eingetroffen ist, nachdem Sonneborn ihm einst dahingehende satirische Avancen gemacht hatte).
    • Muss „grapschen“ noch erläutert werden? Wenn ja, siehe höre „Grab ’em by the pussy“
    • Ein kurzer Rückblick auf die Fakten soll allerdings noch zu weiteren Überlegungen anregen: Die Simpsons-Folge „Bart to the Future“ zeigte am 19. März 2000 einen satirischen Zukunftsblick, in dem Lisa Simpson als Präsidentin klagt, sie habe „eine ziemliche Haushaltskrise“ von „Präsident Trump“ geerbt („quite a budget crunch from President Trump“). Siehe Video „Lisa Simpson calls Donald Trump Presidency, Increased Debt“. Trump war im Jahr 2000 ein (persönlich) solventer Immobilienunternehmer, allerdings hatten dessen hoch verschuldete Casino‑ und Hotelprojekte bereits mehrfach Insolvenz durchlaufen. Genau 16 Jahre, 10 Monate und 1 Tag später – am 20. Januar 2017 – wurde Donald Trump tatsächlich als 45. Präsident der USA vereidigt.
    • Das in der Anmerkung genannte Wahlergebnis bezieht sich auf die offiziellen Popular‑Vote‑Stimmenzahlen der US‑Präsidentschaftswahl vom 8. November 2016 in absoluten Zahlen (landesweit). Hillary Clinton (Demokraten) bekam 65.853.514 Stimmen und damit 48,18 %. Donald Trump (Republikaner) erhielt 62.984.828 Stimmen (46,09 %). Damit stimmten rund 2,9 Millionen Bürger mehr für Clinton als für Trump. Es ist einem absurden Wahlmechanismus und dem „Electoral College“ zu verdanken, dass Clinton trotzdem nicht Präsidentin wurde. Aber: Ein System, das sich „Wahlmänner“ leistet, mag veraltet wirken – der sich manchem dabei aufdrängende Vergleich mit den deutschen Überhang- und Ausgleichsmandaten wäre jedoch ungerecht. Schließlich dienen diese nur der generösen Aufblähung des Bundestages.
  4. False-Memory-Syndrom (FMS): bezeichnet das psychologische Phänomen, dass sich Menschen mit großer Überzeugung an Dinge erinnern, die so nie passiert sind. Es wird häufig im Kontext von Gerichtsverfahren oder Missbrauchsvorwürfen bemüht – meist mit dem Ziel, die Glaubwürdigkeit der Gegenseite zu untergraben. Als wissenschaftliches Konzept ist das FMS hoch umstritten und wird von der Mehrheit seriöser Psycholog*innen abgelehnt. Dass es hier als satirische Erklärung für Sonneborns angeblich vergessene Inspiration herangezogen wird, will deutlich machen: Es handelt sich weniger um ein Krankheitsbild als um ein diskursives Allzweckwerkzeug – flexibel einsetzbar, je nachdem, wer sich gerade entlasten will. So eben auch für Politiker, bei denen immer wieder eine Tendenz zu selektiven Erinnerungslücken zu beobachten ist (Scholz – Cum-Ex / Warburg-Bank, Kohl – Spendenaffäre („Ehrenwort“), Steinbrück – Banker-Gespräch / Honorare usw.) Im weiteren Verlauf spielt FMS wiederholt eine Rolle und wird in den Quellen ausführlich referenziert.
  5. Whistleblower: Anspielung auf das gegenwärtige Phänomen institutionalisierter Enthüller – mit offiziellem Schutzstatus und Meldekanälen. Im Nachgang wird sich zeigen, dass der Täter mit dem Whisteblower identisch ist.
  6. Gerd: Verweis auf Gerd Heidemann, den Stern-Reporter – hier mit falscher Solidarität geheuchelt und mit dem „Volke“ ins Pathetisch-Rührselige abgleitend.
  7. „Es wächst auseinander, was nicht zusammengehört!“ Verkehrung des berühmten Willy-Brandt-Zitats („Es wächst zusammen, was zusammengehört“) aus der Zeit der deutschen Wiedervereinigung. Durch den Wechsel von „zusammen“ zu „auseinander“ entsteht eine polemische Umkehrung – zugleich wird auf eine spätere Stelle im Text Bezug genommen, wo der Satz als falsch zitiert entlarvt wird.

5. Retardation

Caerbannogs Fall

Rabbit of Caerbannogs auf den Straßen BerlinsRabbit of Caerbannogs wahres Ego

Caerbannog ist mittlerweile in Berlin, wo er sich mit dem Leitsatz „Es fliegt zusammen, was unterhöhlt gehört“ an der Untergrabung eines Flugplatzes1 beteiligt. Der Job verläuft schleppend, regelmäßig unterbrochen durch kompetente Fachleute. Wegen vieler verpasster Planungsfehler, Fälschungen, aber auch wegen sexueller Übergriffe und Missbrauchsdelikten gerät er immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Er trinkt gerne Bier2, auch zu viel, und kann sich dann nicht mehr beherrschen3, wird auffällig. Schnell ist seine Identität als „Merzhasser“ aufgedeckt und wegen Verunglimpfung droht ihm nun richtig Ärger4. Ein kleiner Funke genügt, um auf die Spur des untergetauchten „Merzhassers“ zu kommen. Unter der Leitung des Berliner Sonderermittlers Arno F. — Chef der Berliner Sondereinheiten, der bereits Erfahrung im Umgang mit Spaßvögeln hatte. Siehe RBB: „Er jagte Kaufhauserpresser ‚Dagobert‘ fast zwei Jahre lang“ — 5 wird Rabbit of Caerbannog lokalisiert und fast gefasst6. Der Zugriff des SEK7 gerät zum Desaster, Caerbannog ist gewarnt. Er setzt sich mit der erbeuteten heiligen Handgranate8 (Modell „Truthmaker“ - DM15G9 mit Goldrandausführung, aus limitierter D’Ascoyne10-Auflage. Mit Begleitzettel, handschriftlicher Vermerk: „für den katarischen Markt“11 [möglicherweise ist der katharsische gemeint, aber wen juckt das schon, wenn „Truthmaker“ Bumm macht12] )8 nach Amerika ab. Den Ermittlern hinterlässt er einen beschrifteten Beutel, in den er Groß gemacht hat: „ScrewScrooge you!13 Dagobert war noch gar nichts14. Duck you very much, Ihr Entenhausener! Jetzt kommt Donald dran15. Wenn ichden Groß mache, dannden My Ass, German Angst! — MAGA“ HLI von der Hundekot-Arie - Presse übertreibt mal wieder... 16 17

🔑 Entschlüsselung ⇅
  1. Flugplatz: gemeint ist natürlich BER, also der »Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“«, daher auch die erneute Leitsatz-Zitatverkehrung.
  2. „Er trinkt gerne Bier …“: Vorbereitung der späteren Reinkarnation als Bert Caughanaugh (Brett Kavanaugh), der sich in seinen Anhörungen unter anderem mit dem Satz „I still like beer“ zu verteidigen suchte. Das Bier wird hier aber zunächst zur erklärten Ursache für Kontrollverlust und strafrechtliche Relevanz. Siehe PBS: „We 'drank beer' and sometimes had too many, Kavanaugh says at hearing
  3. „… und kann sich dann nicht mehr beherrschen“: Typische Täter-Selbstverharmlosung. Gleichzeitig eine Anspielung auf das wiederkehrende Motiv der alkoholbedingten Erinnerungslücke, das später als Teil des False-Memory-Komplexes erneut auftaucht.
  4. „… wegen Verunglimpfung droht ihm nun richtig Ärger“: Ironische Schwerpunktverschiebung: Während Fälschungen, Missbrauch und Übergriffe eher diffus bleiben, ist es die Verunglimpfung (etwa von Friedrich Merz), die „richtigen“ Ärger bringt. Kritik an gesellschaftlichen Doppelmoralien im Umgang mit Straftaten.
  5. „Arno F.“: Verdrehter Verweis auf den legendären Kaufhauserpresser Arno Funke alias „Dagobert“. Dieser konnte Ende der 1980er-/Anfang der 1990er-Jahre mit Witz, Selbstironie und technischen Tricks die Polizei jahrelang zum Narren halten. Siehe Interview mit dem Ermittler
  6. „… lokalisiert und fast gefasst“: Wiederholung der Funke-Geschichte: Auch Caerbannog wird nicht gefasst, sondern nur beinahe. Die ewig gescheiterte Staatsmacht tritt in den Hintergrund, während die Täterfigur zu neuen Taten schreiten kann, ausgerüstet mit erbeuteten Waffen.
  7. „Zugriff des SEK (Rekonstruktion)“: Der Linktext suggeriert einen Polizeieinsatz – martialisch, entschlossen, mit Blaulicht. Tatsächlich führt er zur berühmten Szene aus Monty Python and the Holy Grail, in der das Killerkaninchen die tölpelhaften Ritter in Sekunden dezimiert. Der bewusste Erwartungsbruch inszeniert das SEK für einen Moment als ahnungslosen Trottelhaufen – eine groteske Umkehrung realer Einsatzbilder, die natürlich jeglicher faktischen Grundlage entbehrt.
  8. Heilige Handgranate / „Truthmaker“: Direktes Zitat aus Holy Grail, dort ein übertrieben sakrales Artefakt („Holy Hand Grenade of Antioch“), das letztlich zur Vernichtung des Killerkaninchens dienen soll. Nur hier läuft es anders...
    Modell „Truthmaker“: Doppeldeutige Anspielung auf ‚Truth Social‘, Donald Trumps hauseigenes soziales Netzwerk, und auf die berühmte Faustfeuerwaffe des Wilden Westens, dem ‚Peacemaker‘. Jüngeren Lesern könnte auch der moderne DC-Comics-Held – ein brutaler Friedensfanatiker – in den Sinn kommen. Das ist zwar nicht beabsichtigt, stört aber auch nicht.
  9. DM15G: Anlehnung an die Splitterhandgranate DM51 (ein Produkt der deutschen Rüstungsindustrie). Die Kombination mit „G“ (möglicherweise für „Gold“) parodiert Produktlogik à la Apple oder Mercedes. Dazu dann die „Goldrandausführung“ & „limitiert“: Spott über exklusive Waffen für spezielle Märkte – insbesondere über die Inszenierung von Tötungswerkzeugen als edle Prestigeobjekte.
  10. D’Ascoyn-Auflage Anspielung auf „Adel verpflichtet“ (Originaltitel: Kind Hearts and Coronets, mit Alec Guinness) und den mit einer präparierten Kaviardose in die Luft gesprengten adligen General Rufus D’Ascoyne
  11. „für den katarischen Markt“: Ganz und gar nicht satirischer Gedanke an reale Waffenexporte in autoritäre Regime – insbesondere an reiche Golfstaaten. Aber auch als Assoziation mit einem gleichmütig und orthografisch ungelenk verfassten Handschriftvermerk eines Lagerarbeiters, der die Handgranaten sortiert hatte. Dabei passieren Verwechslungen, also „[möglicherweise ist der katharsische gemeint…]“: Wortspiel mit katarisch vs. katharsisch – Katharsis als psychische Selbstreinigung wird hier zur Selbstreinigung mit Handgranate → Selbstmord(attentäter).
  12. »wenn es „Bumm“ macht« Anspielung auf die immer wieder erzählte Kriegsanekdote General D’Ascoynes: In dem Moment stürmte der Feind wie erwartet hinter dem Hügel hervor. Ich ließ nicht eher feuern, bis wir das Weiße in ihren Augen sahen. Dann kommandierte ich: Feuer... bumm, bumm, bumm... - dies inspiriert Lois zum Attentat mit der Kaviardose. Der General hält diese dann später in Händen und schickt sich an, sie zu öffnen. Dabei sagt er noch: Diesen Kaviar haben wir früher oft auf der Krim bekommen – eines können die Russen wirklich gut. Dann erfolgt die Explosion.
  13. „Scrooge you!“: Paronomasie auf „Screw you“ („zur Hölle mit Euch“) und gleichzeitig Verweis auf Dagobert Ducks engl. Originalname Scrooge McDuck, was wiederum auf geizige Schotten (Mc) und Ebenezer Scrooge aus Charles Dickens’ „A Christmas Carol“ zurückführt, als literarische Figur und Inbegriff für Geiz, Herzlosigkeit und Miesepetrigkeit.
  14. „Dagobert war noch gar nichts“: Bezieht sich auf den Kaufhauserpresser Funke, gleichzeitig aber auf Dagobert Duck.
  15. „Jetzt kommt Donald dran“: Bekannt flaches Duck/Trump-Wortspiel. „Duck you very much“ als Paronomasie auf „Fuck you“ aber in der Phrase auch an „Thank you very much“ erinnernd.
  16. „Wenn/wen ich (den) Groß mache…“: Die durchgestrichenen Buchstaben veranschaulichen die Doppeldeutigkeit als kindlich-vulgäre Umschreibung für Defäkation, aber auch als Drohung im Sinne von „groß herausbringen“. Die ist ein Vorwegnahme auf Steve Bannon und dessen Rolle als Strippenzieher und Einflüsterer bei Trumps erstem Wahlkampf und Amtsantritt.
  17. „My Ass, German Angst – MAGA“: Akronymbildung aus vulgärem Ausdruck und typisch deutscher Übervorsicht („German Angst“), um den MAGA-Slogan („Make America Great Again“) zu parodieren.

6. Katastrophe (Lysis)

Caerbannog findet seine Bestimmung

Rabbit of Caerbannog mit Alter Egos Rabbit of Caerbannog mit Alter Egos

Adolphu Souffleuru (Stewie Bannog), Rabbit of Caerbannog, Pinocchiu Psittacinu (Bert Caughanaugh)

Kaum im Land of the Free angekommen, verwirklicht er seine Ankündigung und macht ordentlich Groß. Rabbit of Caerbannog nennt sich jetzt „Rabiat Stewie Bannog“1. Seine Fähigkeit, ohne jegliches Schamgefühl mit dreisten Falschaussagen und primitiven Schmähungen zu frappieren, stößt hier auf Groß-Enthusiasmus, breitgestreute Zustimmung — und Nachahmer! Über seine unflätigen und ordinären Beleidigungen staunt das halbe Land, die andere Hälfte zwickt sich2. Sein Wahlspruch My Ass, German Angst (MAGA) wird begeistert adaptiert und fleißig genutzt. Auch seine Erfahrung als Grapscher kommt ihm jetzt zugute. Er ersinnt den Slogan „Grab ’em by the pussy“3 und stellt diese poetische Anregung zur Benutzung frei.

Der Rest ist Geschichte: Ein Nutzer kann damit so viele Wähler:innen ... zum Beispiel diese...CAN GRAB MY überzeugen4, dass er zum großartigsten Präsidenten, den es je gab — und gegeben haben wird — gewählt wird, trotz vereinzelter mahnender Stimmen. 🔈 Mitschnitt der Mahnung (Audio)
Dieser Mitschnitt ist eine exklusive Liveeinspielung aus der Wahlkampfzentrale der Demokraten (Pizzeria Comet Ping Pong) am 9. November 2016. Der Mahner, so eine Theorie, wurde dann dort am 4. Dezember von einem Caerbannog-Nachahmer erledigt („Pizzagate“). An dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an Alex Jones für diese wertvollen Fakten und die Überlassung des Audiomitschnitts!
5

Da Caerbannog auf umfangreiche justizbezogene Erfahrungen verweisen kann, soll er einschlägig eingesetzt werden. Um keine unnötigen Nachforschungen zu provozieren, lässt sich Rabbit of Caerbannog aka Bannog dafür unter neuem Namen als „Bert Caughanaugh“6 einbürgern. Sein Motto bei Unklarheiten: „Sometimes I had too many beers, sometimes others did. I like beer. I still like beer.“ Damit kann er fortan ungestört und nachhaltig (auf Lebenszeit) die Beseitigung juristischer Schranken zum Wohl des großartigsten Präsidenten besorgen.

Und so besorgt er es auch heute noch. Zum Wohl.7

🔑 Entschlüsselung ⇅
  1. „Rabiat Stewie Bannog“: Rabbit wird rabiat und zur Mischung aus Stewie und Steve Bannon: Stewie Griffin ist das hochintelligente, zynisch-bösartige Baby aus „Family Guy“, das die Welt zerstören will. Steve Bannon ist der real existierende, rechtsextremen Kreisen zuzuordnende Populist und Ex-Berater Trumps, der mit skrupelloser Manipulation polarisiert. Die Kombination dieser Charakteren impliziert infantilen Zynismus, Gewaltbereitschaft und rechte Demagogie. Auf dem Theaterzettel wird seine Rolle von „Adolphu Souffleuru“ gespielt
  2. Über seine unflätigen und ordinären Beleidigungen staunt das halbe Land, die andere Hälfte zwickt sich. Dies entspricht eigentlich der Stimmung, die man im US-Wahlkampf bei der amerikanischen Bevölkerung beobachten konnte. Enthusiatische bis billigende Zustimmung zu den unflätigen Aussagen auf der einen Seite. Auf der anderen Seite Empörung und weitverbreitete Ungläubigkeit, dass „so etwas“ möglich ist. Szenen, bei denen sich viele gefragt haben mögen, ob sie ihren Augen und Ohren trauen können - also „Zwick-mich-mal“-Momente. Hier konnte es sich der Verfasser nicht verkneifen, die Akustik dafür anzubieten — einen Liedausschnitt aus 🔈 „Zwickt's mi“ (Wolfgang Ambros, 1975), betitelt mit „Direktübersetzung der Gedanken ins Österreichische durch die Ambrosius-Software-Zwickstelle“
    Die hochdeutsche Prosafassung des Liedtextes lautet ungefähr so:
    Im Wirtshaus treffe ich immer einen, der erzählt Gott weiß was.
    Er ist so reich, er ist so gut, er kennt die ganze Welt.
    In Wirklichkeit ist er ein Herumtreiber, verwahrlost und ständig betrunken.
    In meinen Augen eine Nervensäge – Nein, ich ertrage ihn nicht.

    Zwickt mich, ich glaube, ich träume.
    Das darf nicht wahr sein – wo sind denn hier?
    Zwickt mich, ganz egal wohin.
    Ich kann es nicht glauben – ob ich auch besoffen bin?
    Aber ich glaube, da hilft kein Zwicken.
    Könnte mir vielleicht mal irgendjemand eine runterhauen?
    (Schlag) Danke – jetzt ist mir klar: Es ist wahr. Es ist wahr.
  3. Zitat „Grab 'em by the pussy“: Direktzitat Donald Trump aus einer geleakten Aufzeichnung (Access Hollywood, 2005) → NBC News in folgender Situation: Donald Trump und Access Hollywood‑Moderator Billy Bush sitzen in einem Bus auf dem Weg zu den Dreharbeiten einer „Days of Our Lives“-Segmentaufnahme. Die Mikrofone sind noch eingeschaltet („Hot Mic“), und Trump beginnt, in äußerst vulgärer Sprache über Frauen zu sprechen. Über Nancy O'Dell sagt er:I moved on her and I failed. I’ll admit it. I did try and f*** her. She was married. Dann prahlt er damit, wie er Frauen ohne deren Einwilligung küsst und grapscht, weil sein Promistatus ihm das ermögliche – unter anderem sagt er: Yeah, that’s her. With the gold. I better use some Tic Tacs just in case I start kissing her. You know I’m automatically attracted to beautiful - I just start kissing them. It’s like a magnet. Just kiss. I don’t even wait. And when you’re a star they let you do it. You can do anything.
    Bush: Whatever you want.
    Trump: Grab them by the p***y. You can do anything.
    – Billy Bush lacht und bestärkt ihn; beide bemerken offenbar nicht, dass ihr Gespräch aufgezeichnet wird. Die Veröffentlichung des Videos durch die Washington Post am 7. Oktober 2016, kurz vor der US‑Wahl, löste breite Empörung und parteiübergreifende Kritik aus, führte aber letztlich nicht dazu, Trumps Populariät zu beeinträchtigen.
  4. „Ein Nutzer...“ (Trump) „...kann damit so viele Wähler:innen überzeugen“: Klick auf Wähler:innen zeigt Bild des bekannten Shirts („Trump can grab my...“). Die Absurdität besteht darin, dass solche Aussagen (s.o.) Trumps Popularität steigerten.
  5. Mahnende Stimme: Audio der Killerkaninchenszene aus Monty Python im engl. Originalton („I warned you – but did you listen to me?“). Danach wilde Verschwörungstheorien à la „Pizzagate“ mit zynischem Dank an Alex Jones (verlinkt).
  6. Metamorphose in „Bert Caughanaugh“ — Brett Kavanaugh: Von Trump zum höchsten Richteramt nominiert (die Ernennung gilt auf Lebenszeit), belastet durch Alkoholkonsum und Vorwürfe sexueller Übergriffe. Verteidigt sich mit „Wir haben Bier getrunken - manchmal zu viel...“ – während er der Zeugin der Anklage falsche Erinnerungen (also de facto FMS) unterstellt.
  7. Schlussformel „Zum Wohl“: Doppeldeutig als Trinkspruch und als juristische Loyalität gegenüber Trump. Weitere Assoziation, die der Autor sich nicht verkeifen konnte: „Caughanaug“ ist auf dem Theaterzettel mit „Pinocchiu Psittacinu“ besetzt (siehe wikipedia.org/wiki/Psittaciformes). Klick spielt zweiten Audioschnipsel aus dem Ambros-Song („Zwickt’s mi noamal“) ab. 🔊 Liedausschnitt aus „Zwickt‘s mi“ (Wolfgang Ambros, 1975)

Requisiten-Exposé

Belegsammlung Titanic-Hefte (mit Fritz-Artikel). Bannogs Purpurherzmedaille für Amtsverletzungen. Gröpaz-Verdienstmedaille (Blecherner Ara am Band), unten: DM15 (die G-Ausführung wurde bei der Hauptprobe entwendet). Ein Beutel Groß. Mütze MAGA (Deutsch)

Die wichtigsten Requisiten des Theaterdramas: Belegsammlung Titanic-Hefte (mit Fritz-Artikel).
Purpurherz für Amtsverletzungen.
Gröpaz-Verdienstorden (‚Blecherner Ara am Band‘).
Unten: DM15 (die G-Ausführung wurde bei der Generalprobe entwendet).
MAGA-Beutel mit Groß.
MAGA-Nottoilette (deutsch).


Ursprünglich sollte das Stück auf der documenta gezeigt werden, doch die künstlerische Leitung wies die Aufführung mit Hinweis auf nicht vorhandene antisemitische Passagen1 ab. Radkon Jauku, der Biograph Caerbannogs und ehem. Dramaturg des Dorftheaters Șilda (heute Kulturzentrum Asociația crescătorilor de iepuri), ist nicht ganz sicher, ob er das alles richtig in Erinnerung hat, aber „alles ganz bestimmt so wahr“ und dass er außerdem mit einer im Weißen Haus schwarz beschäftigten mexikanischen Reinigungskraft namens Keliana Con Vaj2 einen Whistleblower-Faktencheck gemacht habe. Das wurde uns auch durch die Übersetzerin, Frau Heidefrau-Răzbunătoare-Pășunescu, bestätigt, die einige unklare Passagen des Originaltextes geglättet und mit alternativen Fakten passend gemacht hat.
Errata In der Chronik von Radkon Jauku wird nicht erwähnt, dass es sich bei dem Whistleblower tatsächlich um Rabbit of Caerbannog selbst gehandelt hat. Auch der Satz „Es wächst auseinander, was nicht zusammengehört!“ dürfte anders gesagt worden sein. Jauku gab dazu an, er habe seine Story nicht kaputtrecherchiert3, schließlich gehöre das zu den journalistischen Grund- und Bodensätzen. Radkon Jauku wird nicht mehr für uns arbeiten. Statt dessen werden wir auf Kellyanne Relotius4 zurückgreifen, wenn wir wieder mal dramatische Geschichten brauchen.

🔑 Entschlüsselung ⇅

Requisiten

  • Auf dem Purple Heart-Verwundetenabzeichen sieht man normalerweise George Washington. Im Rahmen der Richtigstellung, wer der größte Präsident aller Zeiten ist, wurde entsprechend nachgebessert.
  • Ara-Medaille: Die lateinische Inschrift auf dem Papageienorden „QUOD TIBI DICITUR REPETE, ET OMNIA BENE ERUNT“ bedeutet: „Wiederhole, was man dir sagt, und alles wird gut.“ Die koreanische Originalformulierung lautet 당신에게 하는 말을 반복하면 모든 것이 잘 될 거예요. Sie wurde am 1. August 2018 im Rahmen eines wunderschönen Briefes nach Washington als Tipp für Verhaltensanweisungen an Untergebene geschrieben und gefiel dem Empfänger so sehr, dass er eigens hierfür einen Verdienstorden anregte. Was natürlich unmittelbar umgesetzt wurde.

Epilog und Errata

  1. documenta / Antisemitismusvorwurf: Siehe Wikipedia – Documenta 2015
  2. Kellyanne Conway war kurzzeitig US-Präsidentenberaterin (auch eine Art Reinigungskraft) und hat sich mit ihrer Worterfindung „alternative Fakten“ einen Platz in den Annalen linguistischer Grotesken gesichert. Für Nomen-est-omen-Liebhaber bietet das Namensfragment „Con“ (engl. für Betrug, Täuschung) ein nahezu ideales Aptonym – con-way als „Weg der Täuschung“.
  3. „kaputtrecherchieren“ gehört tatsächlich zum internen Wortschatz des journalistischen Tagesgeschäfts. Und meint genau das: Wenn man einer „saftigen“ Story zu tief auf den Grund geht, besteht die Gefahr, dass die Story nicht mehr so dramatisch ist, weil sinnverändernde Verkürzungen oder Übertreibungen sich dann als solche herausstellen. Damit wäre die Story entsaftet und — kaputt.
  4. Claas Relotius: Ex-Spiegel-Reporter, bekannt für preisgekrönte, völlig erfundene Stories und Fälschungen. Wechselte dann in die Werbebranche. Passte.

Leiden auch Sie am False-Memory-Syndrom oder verfälschten oder verschmähten Erinnerungen? Dann sind Sie nicht allein. Wenn Sie dauernd die Zeit vergessen, über Selbstkritik nachdenken, oder einfach etwas Zeit zum Reden brauchen, sprechen Sie mit jemandem. Es gibt Menschen, die Ihnen helfen wollen. In Deutschland erhalten Sie rund um die Uhr anonym und ohne Extragebühren Zuspruch und Zeit unter ☎ 040 42 89 90.


Quellen und weiterverwirrende Informationen

Nachwort des Herausgebers

In eigener Sache

Dieser Text ist aus einer männlichen Perspektive entstanden – das merkt man natürlich. Nicht nur an den Pointen, sondern auch in der Auswahl: Derbe Witze, ja. Aber auch reale Vorkommnisse, die für sich genommen bereits absurder oder verstörender sind, als jede Pointe es je sein könnte. Publizistische Freveltaten, Missbrauchsskandale, breitärschige Machtbehäbigkeit, frauenverachtende Rhetorik, bösartige Tatsachenverdrehungen, Entgleisungen in höchsten Ämtern – nichts davon ist erfunden. Und vieles davon ist schwer zu ertragen. Und folgenlos.

Ich habe darüber nachgedacht, ob ich das alles ‚feministischer‘ zuspitzen sollte. Ob es nicht richtiger wäre, klarer zu benennen, was daran verletzend, gefährlich oder schlicht unerträglich ist. Gleichzeitig spüre ich, wie leicht solche Einordnung selbst zur Pose werden kann – und wie schwer es ist, nicht in das abzudriften, was gern als ‚Gutmenschentum‘ abgetan wird.

Außerdem bin ich selbst Teil des Problems! Oh ja! Als Mann bin ich es automatisch, auch wenn ich es nicht sein will (natürlich gibt es Feministen, aber ich kann nicht behaupten, einer zu sein). Und so sehr ich mir wünschen würde, Teil einer Lösung zu sein – das übersteigt meine Reichweite, meinen Einfluss, mein Können.

Wie mein Text bin ich selbst voller Widersprüche – wer ist das nicht. Und wie mein Text will ich einfach zeigen, was in der Sprache steckt – und was durch sie hindurchbrechen kann, ob man will oder nicht. Manchmal gelungen. Manchmal nicht.

Michael Schmidt

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