Bullshit-Bingo (klassisch)
Buzzword- oder Bullshit-Bingos sind satirische Sprachspiele, die Floskeln oder Buzzworte aufs Korn nehmen. Jedes enthält 25 typische Sprachmuster. Wer bei einem Meeting oder Vortrag oder sonstwie zuhört oder liest, kann sich damit etwas Heiterkeit verschaffen: Markiere, sobald eine Floskel fällt, den Begriff, bis eine Reihe (waagerecht, senkrecht oder diagonal) voll ist: Bingo! Mehr zur Entstehung dieses Spiels.
| Bullshit | Was man verspricht | Was man dann tut |
|---|---|---|
| Agilität | flexibel auf neue Herausforderungen reagieren | Jeden Tag neue Ziele ausrufen und jede Woche die Struktur wechseln – aber wehe, jemand fragt nach Verantwortung. |
| Authentizität | sich selbst treu bleiben und glaubwürdig sein | Mit viel Coaching und Styling die perfekte Natürlichkeit simulieren – aber bitte ohne Ecken und Kanten. |
| Benchmark | sich an den Besten messen | Zahlen abschreiben, Kontexte ignorieren, und dann auf ein Poster schreiben: „Wir sind auf Platz 3 von 7“. |
| Best Practice | bewährte Lösungen übernehmen | Mit „haben wir immer so gemacht“ erstmal Verbesserungsvorschläge abschmettern. Falls das nicht mehr geht: Unreflektiertes Copy-Paste von Konzepten, die anderswo funktioniert haben – oder eben auch nicht. Auf keinen Fall aber auf die eigenen Leute hören - die sind sowieso betriebsblind. |
| Demokratisch |
Was man verspricht: legitime Mehrheitsentscheidung Was man dann tut: Machtausübung ohne Verantwortung |
|
| DNA | tief verankerte Unternehmenskultur | Alles beim Alten lassen, aber mit einem schicken Slogan versehen. Ausgenommen störende Grundmoral von Gründern (siehe „Don't be evil“). Falls Gründermoral einen Anflug von sozialer oder gesellschaftlicher Verantwortung besaß: Raus damit und den DNA-Umbau als notwendige Disruption hinstellen. Damit dann Bahn frei für notwendige Verbesserungen (von Dividenden) und nicht vergessen, bei dieser Gelegenheit auch gleich die Boni für das Management vervielfachen. Das Ganze muss doch auch in schlechten Zeiten Nachhaltigkeit haben, also DNA = Dividenden Nicht Absenken. |
| Diversität | Vielfalt fördern und Diskriminierung abbauen | Einmal im Jahr Regenbogenfarben posten und den Rest der Zeit still hoffen, dass niemand nachfragt. |
| Disruption | bahnbrechende Veränderung ermöglichen | Systematisch alles zerschlagen, was funktioniert, und sich dann wundern, warum’s keiner mehr versteht. |
| Empowerment | Menschen befähigen und stärken | Den Leuten sagen, sie dürften alles entscheiden – solange sie sich für die Chefs entscheiden. |
| Exzellenz | höchste Qualität und Kompetenz anstreben | PowerPoint mit Goldrand. Inhalt zweitrangig. Hauptsache, es klingt teuer. |
| Exzellent | herausragend und leistungsstark | Ein Pflichtwort in jeder Selbstdarstellung – ganz gleich, wie mittelmäßig die Realität aussieht. |
| Ganzheitlich | alles im Kontext betrachten | So lange drumherum reden, bis keiner mehr weiß, worum es eigentlich ging. |
| Innovation | neue Ideen verwirklichen | erstmal Firmenlogo und CI von der teuersten Werbeagentur ummodeln lassen und dann mit Tamtam alle alten Probleme in neuer Verpackung als gelöst anbieten. Bevor die „Stakeholder“ das geschnallt haben, mit Rekordbonus und Rekorddefizit weiter zur nächsten „Herausforderung“. |
| Lösungsorientiert | nicht auf Problemen verharren | Einfach weitermachen. Regeln missachten. Partner hintergehen. Probleme ignorieren (Hauptsache, keiner stellt Fragen, woher das Problem eigentlich kam). Auf ganzer Linie alles über Bord werfen, was die Grundidee ausgemacht hatte. Bei Protesten dann: „Wir müssen eben lösungsorientiert handeln...“ |
| Mindset | offene innere Haltung und Lernbereitschaft | Wenn du scheiterst, liegt es an deiner Einstellung – nicht etwa am System. |
| Nachhaltigkeit | wirtschaftlich effizient, sozial gerecht, ökologisch tragfähig und gleichberechtigend handeln | Solange die Verpackung grün ist, darf der Inhalt ruhig weiter stinken. |
| New Work | selbstbestimmtes, sinnstiftendes Arbeiten | Open Space, kein Büroplatz, kein Tarifvertrag – aber dafür ein Kicker. Berechtigtes Vertrauen in die Selbstausbeutungsreflexe unerfahrener, aber ambitionierter Personen und sorgfältige Förderung dieser psychischen Dysfunktionen. |
| Purpose | höherer Sinn und Motivation jenseits des Profits | Eine Marketingkampagne lang so tun, als wäre Geld nicht alles – um dann weiterzumachen wie immer. |
| Resilienz | Widerstandskraft gegenüber Krisen | Die Leute weichklopfen und dann fragen, warum sie so dünnhäutig sind. |
| Skalierbar | leicht wachstumsfähig | Ein MVP bauen, das bei 12 Nutzern abstürzt, und dann behaupten: „Wir sind bereit für den Weltmarkt.“ |
| Stakeholder | alle Interessensgruppen berücksichtigen | So viele Leute wie möglich erwähnen, damit sich niemand zuständig fühlt. |
| Synergien | gemeinsam mehr erreichen | Zwei Abteilungen fusionieren, die nichts miteinander zu tun haben – und dann beide halbieren. |
| Toleranz |
Was man verspricht: Verständigung trotz Differenz Was man dann tut: Diversität predigen, aber intern Diskriminierung dulden |
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| Transparenz | offene Kommunikation und Einsicht | So viele Informationen liefern, dass keiner mehr durchblickt – oder einfach nur das Falsche erzählen. |
| Verantwortung | pflichtbewusst und gewissenhaft handeln | Sich vornehin stellen, wenn es gut läuft – und hinten rausflutschen, wenn’s kracht. Dabei gerne noch den Notausgang blockieren — von außen. |
| Visionen | große Ideen für die Zukunft entwickeln | Jemand sagt „Mondflug“, alle nicken – keiner hat einen Plan, aber alle haben ein Slide Deck. |
| Wertschätzung | Anerkennung für Engagement und Leistung zeigen | Statt überfälliger Gehaltserhöhungen Kuchen in der Teeküche, Lobhudelei beim Jour fixe und joviales Schulterklopfen auf dem Gang. Im Schwäbischen gilt allerdings: „Net g'schimpft isch g'nug g'lobt!“ |
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* Was meistens meint: „Da du dir diesen Blödsinn angesehen hast, und wir über deine Spuren in allen Social-Media-Kanälen, Google und sonstigen Datengrabschern besser wissen, wofür du dich wirklich interessierst, also besser als du selbst: Hier die eigentlich überflüssigen Produkte, die wir wahrscheinlich an dich verscherbeln können, und zwar überteuert, weil du dann zu Impulskäufen neigst, du Opfer!“