Die googeln alten Zeiten
Als Google noch zu den Guten gehörte
Karikatur von 2003: Microsoft böse - Google gut (und noch nicht mit Werbung vermüllt).
Self-fulfilling Prophecy — aber anders als erwartet
Die oben abgebildete Karikatur wirkte einst wie eine Warnung: Microsoft übernimmt Google und entkernt es zur Suchhülle für eigene Dienste. Dazu kam es nicht. Allerdings erwies sich die „Vorhersage“ doch als selbsterfüllende Prophezeiung – nur anders als gedacht: Google hat sich mittlerweile ganz ohne Microsoft selbst zum marktbeherrschenden Dienstleistungs-Kartell entwickelt — inklusive der stillschweigenden Erstickung seines alten No-Evil-Leitsatzes, der das Gute (die revolutionär nützliche Suchmaschine) mitverkörpern sollte. Das einstige Gute wurde dabei verdrängt, sobald es marktwirtschaftlichem Expansionsdruck weichen musste. Die Revolution frisst ihre Kinder – auch die digitalen.
„Don't be evil“
Der Google-Slogan, der zur Anständigkeit mahnt, war zunächst ein inoffizielles, später offizielles Leitmotiv und wurde im Jahr 2000 von Google-Mitarbeitenden geprägt. Er stand für den Anspruch, trotz wachsender Marktmacht verantwortungsvoll und moralisch integer zu handeln. 2004 wurde der Spruch sogar prominent im Börsenprospekt (IPO-Filing) genannt – als Teil von Googles Selbstverständnis.
Was ist eigentlich aus dem Slogan „Don’t be evil“ geworden?
1. Abschwächung in offiziellen Dokumenten
Ab etwa 2015 rückte der Slogan langsam in den Hintergrund. Als Google 2015 unter dem neuen Mutterkonzern Alphabet Inc. reorganisiert wurde, wurde „Don’t be evil“ in der Alphabet-Gründungserklärung nicht mehr verwendet. Stattdessen hieß es dort nüchtern: „Do the right thing“.
2. Stille Entfernung aus dem Verhaltenskodex
Im internen Code of Conduct war „Don’t be evil“ bis 2018 noch enthalten – dort sogar am Anfang. Mitte 2018 wurde es stillschweigend in den hinteren Teil verschoben, und dann nahezu vollständig entfernt. Übrig blieb lediglich ein Satz, der „Don’t be evil“ als weiterhin relevante Leitlinie erwähnt.
3. Kritik und Spott
Die Entfernung wurde breit kommentiert – viele sahen darin ein Symbol für den Wandel von Google zu einem Konzern mit aggressiverer Geschäftspolitik. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, seine moralischen Grundsätze opportunistisch angepasst zu haben, etwa im Umgang mit Datenschutz, Werbung, Steuervermeidung oder Zusammenarbeit mit Regierungen.
Fazit
Der Slogan „Don’t be evil“ ist zwar nicht vollständig verschwunden, aber seine Bedeutung hat stark gelitten. Heute wirkt er eher wie eine nostalgische Erinnerung an eine idealistischere Frühphase von Google – und ist gleichzeitig zur bitteren Pointe für Kritiker geworden.