Der noble Friedenspreis

Friedensnobelpreis: Tatsächliche Preisträger (Kissiger, Arafat, Obama) und Nicht-Preisträger (Ghandi, Trump, Petrow)

Der ganze Frieden ist ein Quiz, und hier sind seine Kandidaten

Der Friedensnobelpreis genießt zu Recht ein hohes Ansehen. Er wird an Menschen verliehen, die sich um den Frieden verdient gemacht haben – oder, präziser formuliert: an Menschen, bei denen man zum Zeitpunkt der Verleihung guten Grund hatte, dies anzunehmen.

Das führt gelegentlich zu bemerkenswerten Konstellationen. So erhielt etwa Henry Kissinger den Preis für seine Rolle beim Ende des Vietnamkriegs, nachdem dieser Krieg zuvor eine Dynamik entfaltet hatte, an deren Eskalation er selbst beteiligt war. Es ist ein Modell, das man als dialektisch bezeichnen könnte: Wer den Brand kennt, weiß auch, wie man ihn löscht.

Ähnlich vielschichtig ist der Fall Yasser Arafat, ausgezeichnet für seine Beteiligung an den Oslo-Abkommen. Prämiert wurde hier nicht der Frieden selbst, sondern der Schritt aus dem Konflikt.

Demgegenüber stehen jene, bei denen der Zusammenhang zwischen Person und Frieden so eindeutig erscheint, dass man fast nach einem formalen Fehler sucht. Mahatma Gandhi etwa, Inbegriff des gewaltlosen Widerstands, wurde nie ausgezeichnet – ein Umstand, den das Nobelkomitee später selbst als Versäumnis einordnete. Es bleibt der Eindruck, dass Gewaltlosigkeit zwar geschätzt wird, aber das Beenden von Gewalt mehr gilt als ihr Vermeiden.

Noch deutlicher wird die Asymmetrie im Fall von Stanislaw Petrow. Als diensthabender Offizier bewertete er 1983 einen Alarm des sowjetischen Frühwarnsystems entgegen der Vorschrift als Fehlalarm, meldete ihn nicht weiter – und verhinderte so, dass er als Angriff interpretiert wurde, mit potenziell apokalyptischen Folgen. Wenn Frieden einfach nur – ohne politisch verwertbare Erzählung – die Verhinderung des 3. Weltkriegs und der damit verbundenen Auslöschung der Menschheit bedeutet, dann wäre hier der Nobelpreis eine Selbstverständlichkeit. Dieser Zusammenhang hat im Nobelpreis keinen Niederschlag gefunden.

Eine eigene Kategorie bildet schließlich Barack Obama, der den Preis zu einem Zeitpunkt erhielt, als seine friedenspolitischen Leistungen noch überwiegend in der Zukunft lagen. Es handelte sich um eine Auszeichnung für eine Richtung, nicht für ein Ergebnis. Der Friedensnobelpreis als Vertrauensvorschuss – auch das ist offenbar vorgesehen.

Und dann gibt es noch den von sich selbst ins Spiel gebrachten angehenden Preisträger. Donald Trump sparte nicht mit Begründungen, die vor allem ihn selbst überzeugten, und wurde mehrfach nominiert, unter anderem im Zusammenhang mit den Abraham-Abkommen. Ausgezeichnet wurde er bislang nicht. Es lag vermutlich nicht an fehlenden Argumenten, sondern daran, dass das Komitee andere gelten ließ.

So ergibt sich ein Bild, das den Preis nicht entwertet, sondern menschlich macht. Er zeichnet nicht nur Frieden aus, sondern auch Hoffnung, Prozesse, Wendepunkte – und gelegentlich die Fähigkeit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein. Dass dabei nicht immer diejenigen geehrt werden, die den größten Schaden verhindert haben, sondern jene, deren Handeln sich erzählen lässt, ist vielleicht kein Fehler, sondern einfach ein System.

Im Sinne von Hape Kerkeling („Das ganze Leben ist ein Quiz – und wir sind nur die Kandidaten“) wäre dann auch der ganze Frieden nur ein Quiz – und wer sind seine Kandidaten?

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