Schilda 2.0: Taucha
Passé: die einst so klugen Bürger von Schilda. Es übernehmen die Genies von Taucha.
Taucha (Sachsen), Anfang März 2026: Brandalarm! Ein Feuerwehrmann fährt mit Blaulicht und Martinshorn zum Einsatz. Mit Tempo 69 km/h in einer 30-Zone wird er geblitzt.
Es sollte eigentlich klar sein, dass die Feuerwehr auf dem Weg zum Brandort Sonderrechte hat und so schnell fahren darf, wie es eben geht. Statt, wie mit gesundem Menschenverstand zu erwarten gewesen wäre, die Überschreitung sofort zu den Akten zu legen, verhängt das Ordnungsamt der Kleinstadt Taucha (nähe Leipzig) ein saftiges Bußgeld, Punkte und ein Fahrverbot. Begründung: Sonderrechte gelten nur, solange niemand gefährdet wird. 69 km/h seien dafür zu viel.
Wie schnell darf man denn fahren, ohne zu gefährden? Die Stadt kann darauf nur eine indirekte Antwort geben. Es gebe so etwas wie eine Grenze. Die ist zwar nicht gesetzlich festgelegt, aber administrativ offenbar sehr genau bekannt.
Das kommt bei der Feuerwehr – und nicht nur dort – erwartbar schlecht an. Und ganz wohl fühlt sich offenbar auch die Verwaltung nicht mit ihrer Entscheidung, denn zur Deeskalation wird angeboten, das Verfahren gegen eine Spende einzustellen. Das hätte den Vorteil gehabt, dass alle recht behalten: die Verwaltung formal, der Feuerwehrmann praktisch.
Er lehnt ab. Nach über 30 Jahren Dienst verlässt er die Feuerwehr. Der Wehrleiter tritt ebenfalls zurück.
Der Fall wird inzwischen bundesweit diskutiert. Hilfsorganisationen stellen vorsichtig die Frage, ob man im Einsatz künftig eher fahren oder eher nachdenken sollte. Einige Juristen halten die Sanktion für überzogen. Andere halten die Debatte für überflüssig, sofern ein Einsatz vorlag, ein ausgebildeter Fahrer unterwegs war und Sondersignale genutzt wurden.
Die Verwaltung hält sich an das, was sie sicher weiß:
69 ist mehr als 30.
Der zweite Streich folgt sogleich
Mitte März, beeindruckt vom öffentlichen Interesse, schaltet sich der Bürgermeister ein und macht das Ganze zur Chefsache. Nicht, indem er den Bürokratenstreich beendet, sondern durch einen Umbau: Der Bereich Feuerwehr wird aus dem Ordnungsamt herausgelöst und direkt dem Bürgermeister unterstellt. Man spricht von besserer Kommunikation, enger Abstimmung und direkter Ansprechbarkeit.
Das ist folgerichtig: Wenn nicht mehr klar ist, wie schnell man im Einsatz fahren darf, sollte zumindest klar sein, wer darüber entscheidet.
In Schilda hätte man vermutlich den Blitzer befördert.
In Taucha reicht es, die Zuständigkeit zu versetzen.
Fortsetzung folgt...
Quellen
- t-online.de: „Taucha: Bußgeld-Eklat um Feuerwehrmann auf Einsatzfahrt“, März 2026
- Radio Leipzig: „Falsche Strafe verhängt? Geblitzter Feuerwehrmann müsste deutlich weniger zahlen“, März 2026
- Taucha Kompakt: „Nach Austritt aus der Feuerwehr: Ray Lange erhebt schwere Vorwürfe“, März 2026
- Taucha Kompakt: „Fall Ray Lange zieht weitere Kreise – Feuerwehrstreit wird politisches Problem“, März 2026
- Taucha Kompakt: „Feuerwehr künftig Chefsache: Stadt Taucha zieht Konsequenzen“, März 2026