Machtwort-Bingo
Machtsprache – kurz erklärt
Machtsprache ist keine Sprache der Argumente, sondern der Regie: Sie steuert Redezeiten, Themenwechsel und Deutungshoheit – oft höflich verpackt, aber mit der Funktion, andere zum Schweigen zu bringen. Sie arbeitet mit Unterbrechungen, „Ja, aber…“-Kaskaden, Autoritätszitaten und gönnerhafter Überlegenheit. Widerspruch soll klein wirken.
Machtfloskeln wollen alle anderen unterkriegen. Doch man kann sie auch kontern!
Kontern heißt nicht, lauter zu werden, sondern die Spielregeln sicht- und prüfbar zu machen: kurz nachfragen („Welche Frage entscheiden wir gerade?“), begrenzen („Bitte kurz fassen, damit alle zu Wort kommen!“), konkretisieren („Welche Quelle? Welche Konsequenz folgt daraus?“) und den Ton auf Augenhöhe einfordern („Bitte neutral formulieren.“). Wer Taktiken benennt, entwaffnet sie: Aus der Nebelmaschine wird ein „Moment mal!“-Schalter. Hier sind 25 Beispiele für gekonntes Kontern.
| Machtwort | Was passiert? | Wie man kontert |
|---|---|---|
| Das haben wir schon immer so gemacht | Berufung auf Tradition als Totschlagargument |
Dann ist es höchste Zeit für etwas Neues Das war gestern – wir reden über morgen Tradition ersetzt keine Begründung |
| Das steht jetzt nicht zur Diskussion | Debattenabbruch durch autoritäre Setzung |
Warum ist das gerade kein Thema? Dann eröffnen wir sie eben jetzt Wer Angst vor Diskussion hat, hat wenig Argumente |
| Das ist viel zu komplex, das verstehen Sie nicht | Komplexität als Ausschlussinstrument |
Dann erklären Sie es bitte so, dass es verständlich wird Verstehen Sie selbst, wovon Sie hier sprechen? Unverständlichkeit ist kein Qualitätsmerkmal |
| Sie sehen das zu emotional | Diskreditierung über angebliche Irrationalität |
Und Sie vielleicht zu gefühllos Gefühle zeigen, dass das Thema wichtig ist Empathie ist kein Mangel, sondern eine Ressource |
| Lassen Sie uns das vertagen | Prokrastination statt Entscheidung |
Welche Information fehlt für eine Entscheidung jetzt? Vertagen heißt verdrängen – was fehlt zur Entscheidung? Jeder Aufschub ist auch eine Entscheidung |
| Das ist doch nur ein Einzelfall | Abwertung des Problems als irrelevant |
Ein Einzelfall ist einer zu viel – wie gehen wir damit um? Ein Einzelfall zeigt, dass es passieren kann Wenn wir den einen nicht ernst nehmen, werden es mehr |
| Das entscheidet die Geschäftsführung | Delegation nach oben, Gesprächsabbruch |
Dann geben wir ihr bitte die Entscheidungsgrundlage mit Dann geben wir ihr die Argumente mit Entscheidung braucht Input – sonst ist sie Willkür |
| Wir wollen hier nicht kleinkariert sein | Abwehr von Detailfragen |
Gerade Details entscheiden über Erfolg oder Scheitern Kleine Fehler summieren sich zu großen Problemen Genauigkeit ist kein Mangel, sondern Sorgfalt |
| Das ist alternativlos | Alternativen werden per Dekret ausgeschlossen |
Alternativlos ist nur die Gravitation Gibt es außer diesem Totschlagargument sonst noch Argumente? Wer Alternativen ausschließt, will nicht diskutieren |
| Das ist Ihre Meinung | Subjektivierung und Entwertung |
Und wie lautet Ihre belegbare Position? Meinung ohne Argument bleibt Behauptung – wie ist Ihre? Und Fakten dazu? |
| Da müssen Sie pragmatisch sein | Appell an Zweckrationalität, Einwände kleinreden |
Pragmatisch heißt: sachgerecht – also klären wir die Sache Das klingt nach: keine Lust, drüber nachzudenken Pragmatismus ist keine Lizenz, um Regeln zu umgehen Pragmatisch ist, was wirklich funktioniert – testen wir’s Was genau meinen Sie mit ‚pragmatisch‘?“ (entlarvt, wenn „pragmatisch“ nur ein Deckwort für „alternativlos“ ist). Dann nachsetzen mit „Das Argument höre ich oft, wenn man etwas durchsetzen will, das man nicht begründen kann. |
| Das sprengt jetzt den Rahmen | Formale Grenze als Abbruchgrund |
Dann stecken wir den Rahmen neu ab Rahmen sind verhandelbar Dann erweitern wir den Rahmen, statt das Thema abzuschneiden |
| Darüber brauchen wir nicht weiter reden“ / „Thema durch“ / „Ende der Debatte | Offener Gesprächsabbruch |
Das mag vielleicht unangenehm sein. Ich sehe aber noch Klärungsbedarf. Aber gerade jetzt sollten wir es besprechen. Also Abbruch? Bitte mit Grund fürs Protokoll Warum genau? Es ist doch noch gar nicht geklärt. Gerade dann müssen wir reden Soll das so ins Protokoll? |
| Das ist nicht zielführend | Diskreditierung über angebliche Zweckferne |
Welches Ziel meinen Sie denn genau? Dann führen Sie uns doch bitte mal zum Ziel – wir folgen gespannt. Zielführend wofür – und für wen? |
| Wir drehen uns im Kreis | Behauptete Wiederholung statt Fortschritt |
Dann halten wir fest, wo wir schon Einigkeit haben Dann markieren wir, was bereits Konsens ist Besser Kreisverkehr als Sackgasse! Wo zweigen wir ab? |
| Dafür haben wir jetzt keine Zeit | Zeitdruck als Gesprächsstopper |
Fehlerkorrektur später kostet mehr Zeit Zeit sparen heißt: gleich klären Zu wenig Zeit ist ein Argument für Präzision, nicht für Abbruch |
| Das steht so im Protokoll | Berufung auf Schriftform als Wahrheit |
Dann prüfen wir das Protokoll gemeinsam Dann prüfen wir, ob das Protokoll stimmt Wenn’s im Protokoll steht, darf’s ja trotzdem falsch sein. |
| Das müssen Sie nicht wissen | Informationsverweigerung zur Machtsicherung |
Doch – Transparenz ist Voraussetzung für Mitwirkung Transparenz ist Bedingung für Vertrauen Wenn ich es nicht wissen darf, ist es vermutlich wichtig |
| Das haben die Experten geprüft | Autoritätsargument ohne Quelle |
Dann nennen Sie bitte Quelle und Ergebnis Welche Experten denn? Experten für was? Auch Experten können irren – was genau kam dabei raus? |
| Das ist eine rein theoretische Frage | Abwertung über Praxiskeule |
Theorie ohne Praxis ist blind – Praxis ohne Theorie ist leer Theorie ist die Landkarte zur Praxis Nur wer Theorie versteht, kann Praxis verbessern |
| Damit sind Sie allein | Isolation und Delegitimierung |
Jede Mehrheit beginnt mit einer Minderheit Alle Bewegung beginnt mit einem Einzelnen Allein heißt nicht: im Unrecht |
| So läuft das nun einmal | Naturalisiertes „So-ist-es“ statt Begründung |
Nur solange wir es so laufen lassen Dann wird’s Zeit, dass es anders läuft. Regeln sind menschengemacht – also änderbar |
| Das wurde längst entschieden | Fait accompli – Entscheidung als unveränderlich deklariert |
Dann zeigen Sie mir bitte die Entscheidungsvorlage Entscheidungen kann man überprüfen Dann bitte die Vorlage, nicht nur das Gerücht |
| Das hat keine Priorität | Priorisierungsveto ohne Kriterien |
Wer legt die Prioritäten fest – und nach welchen Kriterien? Priorität braucht Kriterien – nennen Sie Ihre Heute „unwichtig“ kann morgen entscheidend sein |
| Das ist politisch nicht durchsetzbar | Vorgeschobene politische Zwänge |
Durchsetzbar wird’s, wenn man Mehrheiten sucht statt Ausreden Politisch unmöglich heißt oft nur: unbequem Wer es nicht versucht, weiß nicht, ob es durchsetzbar ist |
