Gesprächs-Bingo

Die wichtigsten Grundsätze für wirklich anstrengende Gesprächspartner

Ignoriere Signale! Weiterdozieren trotz „Hab verstanden“.
Widersprich immer! Auch wenn du zustimmst – widersprich erst mal.
Schmücke dich mit Fremdwissen! Zitat droppen, Ruhm kassieren.
Setz immer noch eins drauf! Pointe ersticken, sofort toppen.
Erkläre ungefragt! Mansplain & Co. im Patenonkel-Ton, auch wenn du Tante bist.
Fröne dem Whataboutism! Wenn’s eng wird: Thema wechseln – „Und was ist mit …?“

Mann und Frau diskutieren
25 Untugenden, die jede Konversation ruinieren.
Un-Tugend So geht’s So heißt’s linguistisch
Signalblindheit Übergehen von „hm“, „ja“, „hab’s verstanden“ Nicht-Beachtung von Rückmeldesignalen (Backchannel ignoring)
„Lass mich ausreden!“ Wort behalten trotz Abschluss-Signal Persistenz im Sprecherstatus (Floor holding)
Backchannel-Ignoranz Nicken & kurze Laute gelten nicht Rückmeldesignale ignorieren (Backchannel ignoring)
Quantitätsbruch Mehr sagen, als nötig wäre Verletzung der Maxime der Quantität (Overinforming)
Monologzwang Gespräch in Dauerrede verwandeln Conversational dominance / Turn-Taking-Verletzung
Widerspruchsautomat Kontra geben, obwohl Einigkeit besteht Disalignment; präferierte Zustimmung verweigern
„Ja, aber eigentlich …“ Scheinzustimmung mit sofortiger Widerlegung Mitigated disagreement („Yes-but“-Konstruktion); Whataboutism und Verstoß gegen die Maxime der Relation
Oppositionszwang Prinzipielle Gegenposition einnehmen Contrarian stance-taking (dispreferred disagreement)
Teufels-Advokatismus Absichtliche Gegenrede zum Provozieren Devil’s-advocate move (opposition for effect)
Beipflicht-Paradoxon Zustimmen und zugleich widersprechen Pseudo-Agreement / Mitigated disagreement
Fremdargument-Rechthaberei Mit geliehenen Belegen punkten Appeal to authority (Argumentum ad verecundiam)
Autoritäten-Jonglage Namen oder Bildung („hab' ich studiert!“) droppen statt begründen Name-dropping / ethos borrowing
Atemlos reden Ungebremste Verbalflut ohne Atempausen Hohe Sprechgeschwindigkeit / Logorrhö
These-Hehlerei Fremde Thesen als eigene ausgeben Unmarkiertes Zitieren / Plagiat im Gespräch
Glanz aus zweiter Hand Eigenprofil mit fremdem Ethos aufpolieren Ethos-Borrowing / Autoritätsanleihe
Noch-einen-drauf-Setzeritis Jede Anekdote sofort übertrumpfen One-upmanship / Competitive storytelling
Top-das-Top Überbietung als Reflex Topping move (one-upmanship)
One-Up-Show Selbstdarstellerisches Übertrumpfen Performance of one-upmanship
Pointen-Erstickung Pointe nicht wirken lassen, sofort weiterreden TRP-Übergehen (Transition-Relevance-Place ignorieren)
Anekdoten-Hopping Ständiger Themenwechsel ohne Abschluss Topic drift / Topic shift
Erklärertum Dozieren statt Dialog; asymmetrische Belehrung Epistemic asymmetry / Mansplaining
Dozier-Reflex „Das ist ganz einfach …“ – Lehrton als Automatismus Didaktischer Modus / Lecture register
Lexikon auf zwei Beinen Enzyklopädisches Aufzählen ohne Relevanz Overinforming / Encyclopedic register
Definition vor Dialog Begriffsabgrenzungen vor Gespräch Metapragmatische Vorsequenz (Presequence / Framing)
Der Gönner: Patenonkel-Ton Herablassend freundlich, gönnerhaft Patronizing register / Condescension

Widmung

Für Kurt Tucholsky


Schlechter Gesprächspartner, so geht’s:

Lasse dein Gegenüber nicht zu Wort kommen. Wozu auch? Aber wenn es doch mal passiert, dann widersprich. Widersprich, auch wenn ihr dasselbe meint – Einigkeit verdirbt die Dramaturgie.

Bestätige möglichst oft mit „Ich weiß schon!“, dass man dir nichts mehr beibringen kann. Im Gegenteil: Du bringst bei!

Erläutere die Dinge im gönnerhaften Ton – das wärmt so schön. Und überhöre jedes „verstanden“; erkläre Adam zu Ende und lass dir Eva nicht nehmen. Schließlich ist dein Gegenüber begriffsstutzig und braucht erst mal die grundsätzlichen Dinge erklärt. Dein Opfer wird dir ewig dankbar sein – besonders, wenn du den gequälten Gesichtsausdruck als Bewunderung deutest. Dann musst du noch etwas weiter ausholen.

Habe keine Angst, für einen Besserwisser gehalten zu werden — es stimmt ja auch! Lass sie die Augen verdrehen, seufzen, gähnen. Lass dich davon nicht ablenken und predige, was du weißt. Sag es gerade heraus, denn Diplomatie ist doch Heuchelei. Du aber bist der Wahrheitssager, der Aufrechte: Was wahr ist, muss man sagen. Auch wenn es verletzt. Das bist du deinem Gewissen schuldig.

Fehlen dir Argumente? Die brauchst du doch nicht – schließlich hast du das alles schon mal gemacht, oder wenigstens studiert, oder du kennst wen, der sich damit auskennt.

Fällt eine Pointe, spring drauf und deck sie zu. Leg noch einen obendrauf! Beweise, dass das eben Gesagte bei Weitem nichts Besonderes ist. Mach es schnell, sodass dein Gegenüber merkt, wie schlagfertig du bist — auch wenn dir gerade mal wieder nichts einfällt. Dann murmle milde: „Ja, ja … kenn’ ich, gehört zu meinen Lieblings…“

Vergiss nicht, immer mal wieder auf die Uhr zu schauen, und kontrolliere regelmäßig deine sozialen Medien. So fühlt sich dein Gegenüber gewertschätzt. Beantworte zwischendurch gerne eine Nachricht oder ein Like. Besonders elegant ist dabei ein leichtes Kopfschütteln, während du gütig die Störung verzeihst: „Tschuldige, das muss ich gerade mal …“. Es zeigt, wie aufmerksam du auf deine Gesprächspartner eingehst.


Guter Gesprächspartner, so geht’s:

Kurz. Klar. Fragen. Pausen. Nachdenken – und nachdenken lassen. Reden ist Silber, Zuhören Gold.

Statt unbedarft zu erklären, nur bei Bedarf erklären – und nur das Nötige. So erkennst du die Intelligenz des anderen an – und umgekehrt.

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