Wer könnte da schon Nein sagen?
Text des Aushangs
„Ist man ein Verschwörer, weil man die Kollateralschäden der Coronamaßnahmen, für viel gravierender hält, als die Erkrankung selbst? Ist man ein Verschwörer, weil man befürchtet, dass es durch die Zerstörung des Mittelstandes und vieler Arbeitsplätze, zu sozialen Unruhen kommt? Ist man ein Verschwörer, weil man es erschreckend findet, dass chinesische Investoren auf große Shopping-Tour auf dem geschwächten europäischen und deutschen Markt gehen. Munter kaufen sie in Schieflage geratene Firmen auf, die in ihrer Verzweiflung keinen Ausweg sehen, als sich in die Hände Pekings zu begeben. Und die Bundesregierung? Sie sieht zu, wie China deutsche Traditionskonzerne schluckt und wohl bald auch im deutschen 5G-Geschäft kräftig mitmischt. (Julian Röpke, Bild.de) „Big brother is watching you“! Ist man ein Verschwörer, weil man große Bedenken hat, wie es mit unserem Finanzsystem weiter geht. Dr. Markus Krall und Marc Friedrich: Der Crash kommt 2021! Gelddrucken hat das Denken ersetzt. Ist man ein Verschwörer, weil man große Sorge hat, dass es durch einen Immunitätsausweis, eine Impfpflicht durch die Hintertür gibt. * CDU Politiker und Europaabgeordnete Peter Liese fordert Corona-Schutzimpfungen als Voraussetzung für Besuche von Großveranstaltungen sowie Konzerten. (23.11.2020 Süddeutsche Zeitung) * Die australische Fluggesellschaft Qantas, hat mitgeteilt, dass nur Geimpfte mitfliegen dürfen. Chef Alan Joyce: „Schon bald werde das auch bei anderen Airlines eine ›ganz normale Sache‹ sein.“ Ich persönlich, halte es für sehr gefährlich, einen nicht erprobten, neuartigen, gentechnologischen Impfstoff, im Hauruck-Verfahren auf den Markt zu bringen. Ist man ein Verschwörer, weil man es schrecklich findet, dass in den Schwellenländern Massen an Menschen durch die Coronamaßnahmen sterben. SIE VERHUNGERN! Hier werden die nächsten Flüchtlingswellen produziert!“
Das will nicht nur aufgrund orthografischer Eigenwilligkeiten gut überlegt sein. Aus linguistischer Sicht behauptet die immer wiederkehrende Epimone („Ist man ein Verschwörer, weil …?“) mehr, als sie fragt. Als rhetorische Frage steckt in ihr bereits die Gesamtwertung, dass jeder, der solche „Sorgen“ teilt, vorschnell als „Verschwörer“ abgestempelt werde. Mit „Verschwörer“ dürfte hier wohl „Verschwörungstheoretiker“ oder „Anhänger von Verschwörungstheorien“ gemeint sein – entweder eine bewusst vage Wortwahl, die nicht zufällig mehr Raum für Assoziationen lässt, als der Sache guttut, oder eine schlichte Ungenauigkeit, die wiederum in auffälligem Kontrast zum zur Schau gestellten kritischen Pathos steht.
Stilistisch kombiniert der Text Spins (Tatsachenverkehrung Hungertote vs. Exzessmortalität), Framing („Big Brother is watching you!“), Angstrhetorik (Crash-Prophetie, Verarmung, Hunger), sowie eindrucksvolle Beispiele für Einzelfall-Extrapolation (Qantas → weltweite Impfpflicht) und elliptische Belege (Verweis auf eine einzige BILD-Kolumne als Autorität).
Überlegungen zum Ja oder Nein
Analyse
Der Aushang greift reale Problemfelder (soziale Ungleichheit, geopolitische Abhängigkeiten, Impfethik, Ernährungssicherheit) auf, formuliert sie aber in einer Schwarz-Weiß-Rhetorik, die faktenbasierte Abwägungen durch Schlagworte und propagandistische Techniken ersetzt:
- Der Text selektiert Einzelfälle und blendet Gegenbeispiele aus,
- deutet Trendrisiken in kurzfristige Gewissheiten um,
- und vermengt Kausalität und Korrelation.
Linguistisch dienen die wiederholten Fragen „Ist man ein Verschwörer“* der Immunisierung gegen Kritik („Wer widerspricht, nennt mich Verschwörer“) – ein klassischer Strohmann-Schutzschild.
Faktencheck
Was Tatsachen betrifft, können die Punkte einzeln ohne Alarmismus geprüft werden. Wie sich zeigt, sind einige Sorgen aufgrund ihres latenten Dauerzustands berechtigt (globaler Hunger, Investitionsabhängigkeit), andere sind (Stand 2025) überwiegend widerlegt oder deutlich nuancierter.
⇅1. Sind die Kollateralschäden der Corona-Maßnahmen schlimmer als COVID-19 selbst?
Befund: Laut WHO forderte COVID-19 weltweit über 7 Mio. Tote (Stand 2025). Modellierungen des Imperial-College schätzen, dass die ersten Lockdowns in 11 EU-Ländern rund 3 Mio. Todesfälle verhinderten. Meta-Analysen (Institute of Economic Affairs) zeigen jedoch, dass der Nettonutzen je nach Kennzahl kleiner ausfällt, als manche Regierungen hofften. Insgesamt übersteigen die geretteten Lebensjahre die indirekten Verluste durch Arbeitslosigkeit, Bildungs- und Mental-Health-Schäden. Quellen: WHO-Dashboard , Imperial College Report 9 (2020) , IEA Meta-Analyse 2022
Auch die Zahlen direkter Schäden durch Impfungen sind belegt: Bis zum
31. Dezember 2024 wurden in Deutschland 197.033.944
COVID-19-Impfdosen verabreicht. Gemeldet wurden 63.909 schwerwiegende
Verdachtsfälle (0,32 pro 1.000 Dosen) und 3 086 Verdachtsfälle eines
tödlichen Ausgangs (1,6 pro 100.000 Dosen). Nach WHO-Kausalitätsbewertung
blieben 74 Todesfälle als »möglich bzw. wahrscheinlich impfbedingt« –
das entspricht rund 0,38 pro 1.000.000 Dosen (≈ 1 Todesfall auf 2,7 Mio
Dosen).
Quelle: PEI-Sicherheitsbericht 03/2025
Zum Vergleich: Die historische Pockenimpfung wies rund das 3- bis
5-fache tödliche Risiko pro Dosis auf; bei der US-Pockenimpfung 1968
lag die Todesrate bei 1–2 pro 1.000.000 Impfungen (≈ 1 Todesfall auf
0,75 Mio Dosen); lebensbedrohliche Komplikationen wurden mit 52 pro 1.000.000 angegeben.
Quelle: CDC MMWR 52 (RR-4), 2003
Fazit:
Ist man ein Verschwörer, weil man die Kollateralschäden der
Corona-Maßnahmen für viel gravierender hält als die Erkrankung
selbst?
Antwort: Ja – die Behauptung blendet
die nachweislich geretteten Menschenleben völlig aus, verkehrt die
Evidenz ins Gegenteil und würzt das Ganze mit einer Wortwahl, die „Verschwörer“ sagt, obwohl hier nur „Verschwörungstheoretiker“ überhaupt Sinn ergäbe.
⇅2. Führt die „Zerstörung des Mittelstands“ zwangsläufig zu sozialen Unruhen?
Deutschland stabilisierte per Kurzarbeit und Hilfsfonds; Insolvenzen stiegen 2020/21 weniger stark als nach der Finanzkrise 2008. In Entwicklungsländern nahm die Ungleichheit hingegen deutlich zu, was soziale Spannungen begünstigt. Quellen: Destatis – Insolvenzen , US Census Income 2020 , Weltbank GINI-Index
Fazit:
Ist man ein Verschwörer, weil man befürchtet, dass es durch die
Zerstörung des Mittelstandes und vieler Arbeitsplätze zu sozialen
Unruhen kommt?
Antwort: Ja – das Narrativ unterstellt
eine gezielte Agenda elitärer Entscheider („Big Brother“), die
Mittelschicht bewusst auszuhöhlen, und verkauft Prognosen als
unvermeidliche Tatsachen. Auch hier wieder „Verschwörer“ statt dem
naheliegenden „Verschwörungstheoretiker“ – was wörtlich genommen
ironischerweise das Gegenteil der Behauptung bedeuten würde.
⇅3. „Ausverkauf“ deutscher Firmen an chinesische Investoren & 5G-Abhängigkeit?
2020/21 nahm der Umfang chinesischer Übernahmen in der EU ab – u. a. wegen neuer Investitionsscreening-Regeln. Deutschland untersagte einzelne High-Tech-Deals und beschloss 2023, Huawei-/ZTE-Komponenten bis 2029 schrittweise aus Kernnetzen zu entfernen. Quellen: EU FDI-Screening Report 2023 , BMI-Pressemitteilung 05/2023
Fazit:
Ist man ein Verschwörer, weil man es erschreckend findet, dass
chinesische Investoren auf große Shopping-Tour auf dem geschwächten
europäischen und deutschen Markt gehen. Munter kaufen sie in Schieflage
geratene Firmen auf, die in ihrer Verzweiflung keinen Ausweg sehen, als
sich in die Hände Pekings zu begeben. Und die Bundesregierung? Sie sieht
zu, wie China deutsche Traditionskonzerne schluckt und wohl bald auch im
deutschen 5G-Geschäft kräftig mitmischt. (Julian Röpke, Bild.de) „Big
brother is watching you!“
Antwort: Ja – hier wird eine geheime
Einflussnahme Chinas unterstellt, obwohl es klare Investitionsprüfungen
und Rückbaupläne gibt. „Verschwörer“ statt „Verschwörungstheoretiker“ ist hier völlig wirr.
⇅4. Crash-Prophetie 2021 (Krall/Friedrich) – eingetroffen?
Trotz Lieferkettenproblemen legte der DAX 2021 um ≈ 16 % zu; eine systemische Banken- oder Währungskrise blieb aus. Die konkrete Jahresprognose scheiterte, auch wenn Niedrigzinsrisiken langfristig bestehen. Quellen: Börse Frankfurt – DAX-Historie , Bundesbank Finanzstabilitätsbericht 2022
Fazit:
Ist man ein Verschwörer*, weil man große Bedenken hat, wie es mit
unserem Finanzsystem weiter geht. Dr. Markus Krall und Marc Friedrich:
Der Crash kommt 2021! Gelddrucken hat das Denken ersetzt.
Antwort: Ja – wer trotz ausgebliebener
Krise an der sicheren Katastrophe festhält und Gegenbelege als Teil eines
„Systems“ abtut, indem Gehirnwäsche betrieben wird, bedient ein
Verschwörungs-Narrativ.
⇅5. Immunitätsausweis = Impfpflicht durch die Hintertür?
Das EU-Digitale COVID-Zertifikat war freiwillig und akzeptierte auch Tests/Genesungen. Airlines wie Qantas verlangten Impfnachweis für internationale Flüge – privatwirtschaftliches Hausrecht. mRNA-Impfstoffe verhinderten laut Lancet im ersten Jahr ~14 Mio. Todesfälle. Quellen: EU-Verordnung 2021/953 , Qantas Pressemitteilung 11/2020 , Lancet Infect Dis 2022
Fazit:
Ist man ein Verschwörer*, weil man große Sorge hat, dass es durch einen
Immunitätsausweis, eine Impfpflicht durch die Hintertür gibt. [...]
Antwort: Ja – die Behauptung
unterstellt eine versteckte Zwangsagenda, obwohl Zertifikate freiwillig
und test-/genesungsbasiert einsetzbar waren.
⇅6. Erzeugen Corona-Maßnahmen Hunger & neue Flüchtlingswellen?
Lockdowns haben Hungerprobleme verschärft, aber keine Massenverhungerung
ausgelöst. Die größten Hungertodestreiber bleiben Krieg,
Klimakatastrophen, Armut und hohe Nahrungspreise. Corona-Maßnahmen
wirkten vor allem als Katalysator für existierende Schwachstellen, nicht
als Hauptursache für massenhafte Sterbefälle. Auch Migration entsteht
multikausal (Konflikte, Klima, Preise) – nicht allein durch Lockdowns.
Quellen:
FAO – SOFI 2024 (Hunger ≈ 733 Mio. Menschen 2023)
,
WFP / FAO – Global Report on Food Crises 2024 (Akut Food Insecurity
≈ 282 Mio. 2023)
,
IHME GBD 2019 – Protein-Energy Malnutrition Deaths ≈ 212 000
,
UNHCR – Global Trends 2023 (Forcibly Displaced ≈ 117,3 Mio.)
,
IPC Analysis Afghanistan 2021 – „Famine Likely“ (Bezirke Phase 4/5)
Fazit:
Ist man ein Verschwörer*, weil man es schrecklich findet, dass in den
Schwellenländern Massen an Menschen durch die Coronamaßnahmen sterben?
SIE VERHUNGERN! Hier werden die nächsten Flüchtlingswellen produziert!
Antwort:
Ja – nach anfänglicher Sorge verkehrt der
Text die Ursachen bewusst (Lockdowns = Hauptschuldige), stützt ein
Narrativ absichtlicher Verknappung („Verarmungs-Strategie“) und
konstruiert so ein konspiratives Gesamtbild.
Warum gerade die These der „durch Coronamaßnahmen Verhungerten“ besonders perfide ist, wird deutlich, wenn man sich die belastbaren Zahlen der tatsächlichen Exzessmortalität vor Augen führt – aller Todesfälle über dem zu erwartenden Niveau, inklusive direkter und indirekter COVID-Folgen. Vom 1. Januar 2020 bis 31. Dezember 2021 starben in den Schwellenländern rund 12,07 Mio. Menschen mehr als erwartet (WHO)1, was 99,2 % entspricht. In Deutschland betrug die Exzessmortalität 0,8 % (ca. 100.000–120.000 Menschen (Lancet)2.
Persönlicher Eindruck: Mitfühlend ist es, diese Opferzahlen als „schrecklich“ zu bezeichnen; sie als Folge der Pandemiebekämpfung hinzustellen, macht das jedoch zu einem fürchterlichen Sophismus mit bösartiger Tatsachenverkehrung.
- WHO (2023): Global Excess Mortality Estimates, Januar 2020 – Dezember 2021.
- The Lancet – Deutschland 2020–21: Banerjee et al. (2022): Excess mortality in Germany during the COVID-19 pandemic.
* „Verschwörer“: Gemeint ist erkennbar nicht der aktiv an einer Verschwörung Beteiligte, sondern der „Verschwörungstheoretiker“. Die falsche Wortwahl ist also nicht nur ungenau, sondern wörtlich genommen das Gegenteil dessen, was behauptet wird.
