Wie macht man eine ganz normale Fahrt zum Flughafen zur Abenteuerreise? Nimm die Deutsche Bahn!
Denn dann...
... steckst du mit deinem ICE kurz vor dem Ziel an einem Dorfbahnhof fest, nimmst einen verzweifelten Sizilianer als Gefährten, versuchst, das Bahnpersonal von der Unsinnigkeit zu überzeugen, niemanden aussteigen zu lassen. Springst trotz zögerndem Personal dann doch einfach raus, nimmst den Sizilianer und einen weiteren Beherzten einfach mit.
Dann wuchtest du dein Gepäck, das des Sizilianers, den Sizilianer selbst, und dann dich über die Sperrgitter, die verhindern sollen, dass Reisende wie wir zur Unterführung kommen können. Da du die Initiative ergriffen hast erwarten der Sizilianer und der beherzte Mann, der nach Edinburgh will, dass du weißt, wie man hier ein Taxi herbeitelefoniert. Du spürst statt dessen, dass eine junge Dame mit Koffer ebendas bereits besorgt hat, schaffst es, vor ihrem Taxi bei ihr zu sein und bietest ihr Geleit zum Flughafen an (denn dann ist es ja auch billiger!).
Dann wimmelst du die von Ferne herbei eilenden nachfolgenden Glücksritter ab (das Bahnpersonal hat offenbar die Schleusen geöffnet), hechtest mit dem Sizilianer und dem Edinburgher in den Wagen und erklärst dem Taxifahrer die Lage, organisierst die Zahlung mit großzügigem Trinkgeld an den Taxifahrer, der daraufhin zeigt, was er kann, wenn er wirklich will, um uns trotz Blitzergefahr expressartig zum Airport zu bringen. Dann klärst du mit dem sehr kooperativen Taxifahrer, wie der Sizilianer, der Edinburgher und die junge Dame, die nach Palermo will, den kürzesten Weg zu ihren jeweiligen Terminals finden.
Dann feierst du mit einem gemeinsamen Hi-Five, dass den Tapferen das Glück geholfen hat. Der Sizilianer könnte dafür eine Erklärung benötigen, aber gibt sich auch mit der Auskunft zufrieden, a lucky guy zu sein. Denn die vermutlich mehrere hundert anderen Bahnkunden, die dem Frankfurter Airport an diesem Tag nichtsahnend entgegen streben, verpassen alle ihre Flüge. Außer, sie haben drei Extrastunden eingeplant.
Aber dann verpassen sie ja die Chance, eine solche Abenteuerreise zu erleben. Mir hat sie gefallen.
Dann musste ich leider am Gate im Shuttlebus aus unerfindlichen Gründen so lange warten, dass ich schon das Gefühl bekam, man wartet auf Verspätete aus den diversen ICEs, die von Süden nicht direkt zum Flughafen kommen.
Dann tröstete ich mich aber damit, auf jeden Fall nette Leute mit Initiativkraft kennengelernt zu haben. Deshalb: Aus dem Flug nach Stockholm herzliche Grüße nach Edinburgh, Palermo und Sizilien.
Wir haben es geschafft!
